CO2 Accounting

Klimabilanz erstellen: Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung für Unternehmen

Eine Klimabilanz erfasst sämtliche Treibhausgasemissionen eines Unternehmens nach dem Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) in den drei Bereichen Scope 1, Scope 2 und Scope 3. Der Prozess folgt zwölf klar definierten Schritten: von der Zieldefinition über die Festlegung der Systemgrenzen bis zur Berechnung, Qualitätsprüfung, Berichterstattung und Ableitung von Reduktionsmaßnahmen. Für ein mittelständisches Unternehmen mit einem Standort dauert die erste Klimabilanz in der Praxis meist sechs bis zwölf Wochen, bei mehreren Standorten oder komplexer Lieferkette entsprechend länger. Scope 3 macht in den meisten Branchen 70–90 % der Gesamtemissionen aus und ist gleichzeitig der aufwändigste Teil der Bilanzierung. Excel eignet sich für den Einstieg mit einem Standort, stößt aber bei mehreren Gesellschaften, Jahren oder Scope-3-Kategorien schnell an Grenzen. Eine spezialisierte Software wie cubemos automatisiert Datenerfassung, Emissionsfaktor-Zuordnung und die Übernahme der Ergebnisse in CSRD- und VSME-Berichte.
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Was ist eine Klimabilanz?

Eine Klimabilanz, auch CO₂-Bilanz, Treibhausgasbilanz, Emissionsbilanz oder Corporate Carbon Footprint(CCF) genannt, ist eine systematische Erfassung aller Treibhausgasemissionen, die ein Unternehmen innerhalb eines definierten Zeitraums und innerhalb festgelegter Systemgrenzen direkt oder indirekt verursacht. Die Emissionenwerden in CO₂-Äquivalente (CO₂e) umgerechnet, damit unterschiedlicheTreibhausgase wie Methan (CH₄) oder Lachgas (N₂O) anhand ihres Erwärmungspotenzials (Global Warming Potential, GWP, bereitgestellt vom IPCC) vergleichbar werden.

Klimabilanz, CO₂-Bilanz und Corporate Carbon Footprint: Was ist der Unterschied?

In der Praxis werden die Begriffe weitgehend synonym verwendet. Streng genommen bezeichnet die CO₂-Bilanz häufig nur den CO₂-Anteil, während die Klimabilanz oder Treibhausgasbilanz alle relevanten Treibhausgase einschließt. Der Corporate Carbon Footprint (CCF) ist der nach GHG Protocol standardisierte Fachbegriff für die Klimabilanz auf Unternehmensebene – abzugrenzen vom Product CarbonFootprint (PCF), der die Emissionen eines einzelnen Produkts über dessen gesamten Lebenszyklus abbildet.

Ziele und Nutzen einer Klimabilanz

  • Tansparenz über die eigenen Emissionsquellen als Grundlage jeder Klimastrategie
  • Identifikation von Emissions-Hotspots und darauf aufbauenden Reduktionsmaßnahmen
  • Erfüllung gesetzlicher Berichtspflichten (CSRD/ESRS E1) und freiwilliger Standards (VSME)
  • Grundlage für Science Based Targets (SBTi) und CDP-Offenlegungen
  • Wettbewerbsvorteil bei Ausschreibungen, Lieferantenaudits und Bankfinanzierungen

Warum Unternehmen heute eine Klimabilanz erstellen

Der Handlungsdruck kommt inwischen aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Regulatorisch verpflichtet die CSRD nach der EU-Omnibus-Richtlinie (EU) 2026/470 aktuell Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450 Mio. Euro Jahresumsatz zur Offenlegung ihrer Treibhausgasemissionen nach ESRS E1. Der freiwillige VSME-Standard (Commission Recommendation (EU) 2025/1710) bietet kleineren Unternehmen eine schlankere Berichtslogik, die zunehmend von Banken und Großkunden verlangt wird. Hinzu kommt wirtschaftlicher Druck: Lieferketten fordern von ihrenZulieferern zunehmend CO₂-Daten, Banken beziehen ESG-Kriterien in die Kreditrisikobewertung ein, und eine belastbare Klimabilanz wird zum Entscheidungskriterium in Ausschreibungen. Nicht zuletzt liefert dieKlimabilanz die Datenbasis für eine wirksame Dekarbonisierungsstrategie – ohne sie lässt sich weder ein realistisches Reduktionsziel setzen noch der Fortschritt messen.

Klimabilanz erstellen: Die 12 Schritte im Detail

Die folgenden zwölf Schritte orientieren sich am GHG Protocol Corporate Standard und an der ISO 14064-1 und bilden den in der Praxis etablierten Ablauf zur Erstellung einer Klimabilanz.

Schritt 1: Ziele definieren

Klären Sie zuerst, wozu die Klimabilanz dient: interne Steuerung, gesetzliche Berichtspflicht (CSRD/VSME),Kundenanfragen, SBTi-Zielsetzung oder CDP-Offenlegung. Die Zielsetzung entscheidet über den nötigen Detailgrad, die Wahl des Basisjahres und den einzusetzenden Standard. Sichern Sie sich frühzeitig das Commitment der Geschäftsführung, da die Datenerhebung mehrere Abteilungen betrifft.

Schritt 2: Organisatorische Systemgrenzen festlegen

Legen Sie fest, welche Standorte, Tochtergesellschaften und Beteiligungen in die Bilanz einfließen. Das GHG Protocol kennt zwei Konsolidierungsansätze: den Ansatz der operativen Kontrolle (es werden Einheiten bilanziert, die operativ gesteuert werden) und den Ansatz der finanziellen Kontrolle bzw. Equity-Share-Ansatz (Bilanzierung nach Kapitalanteil). Die Wahl beeinflusst insbesondere, wie Gemeinschaftsunternehmen und Minderheitsbeteiligungen behandelt werden.

Schritt 3: Operative Systemgrenzen bestimmen

Bestimmen Sie, welche Emissionsquellen den drei Scopes zugeordnet werden: Scope 1 (direkteEmissionen), Scope 2 (Emissionen aus eingekaufter Energie) und Scope 3 (alle übrigen indirekten Emissionen der Wertschöpfungskette). Legen Sie außerdem das Basisjahr fest, idealerweise das erste vollständig mit belastbaren Datenerfasste Geschäftsjahr, da es künftig als Vergleichsmaßstab für Reduktionsziele dient.

Schritt 4: Scope 1 erfassen: Direkte Emissionen

Scope 1 umfasst Emissionen aus Quellen, die das Unternehmen direkt besitzt oder kontrolliert: der Verbrauch von Erdgas und Heizöl in eigenen Gebäuden, der eigene Fuhrpark, Prozessemissionen in der Produktion sowie flüchtige Emissionen etwa aus Kälte-und Klimaanlagen. Datenquellen sind in der Regel Verbrauchsabrechnungen, Tankkartenabrechnungen und Betriebsdatenerfassungssysteme.

Schritt 5: Scope 2 erfassen: Indirekte Emissionen aus Energie

Scope 2 umfasst die Emissionen aus eingekauftem Strom, Fernwärme, Fernkälte oder Dampf. Nach der GHG Protocol Scope 2 Guidance werden zwei Werte berechnet: der standortbasierte Wert (Durchschnittsemissionsfaktor des regionalen Strommixes) und der marktbasierte Wert (Emissionsfaktor des tatsächlich vertraglich bezogenen Stroms, etwa bei Grünstromverträgen). Für ein vollständiges Bild sollten Unternehmen beide Werteparallel ausweisen (Dual Reporting).

Schritt 6: Scope 3 erfassen: Indirekte Emissionen der Wertschöpfungskette

Scope 3 ist der umfangreichsteund zugleich anspruchsvollste Teil der Klimabilanz. Das GHG Protocol unterteilt Scope 3 in 15 Kategorien, acht vorgelagerte (Upstream) und sieben nachgelagerte (Downstream):

  • 3.1 Eingekaufte Güter und Dienstleistungen
  • 3.2 Kapitalgüter (Maschinen, Gebäude, IT-Infrastruktur)
  • 3.3 Energiebezogene Aktivitäten (vorgelagert, nicht inScope 1/2 enthalten)
  • 3.4 Vorgelagerter Transport und Distribution
  • 3.5 Im Betrieb entstandener Abfall
  • 3.6 Geschäftsreisen
  • 3.7 Pendelverkehr der Mitarbeitenden
  • 3.8 Vorgelagert geleaste Vermögenswerte
  • 3.9 Nachgelagerter Transport und Distribution
  • 3.10 Weiterverarbeitung verkaufter Produkte
  • 3.11 Nutzung verkaufter Produkte
  • 3.12 End-of-Life-Behandlung verkaufter Produkte
  • 3.13 Nachgelagert geleaste Vermögenswerte
  • 3.14 Franchises
  • 3.15 Investitionen

Da laut GHG Protocol nur Scope 1und 2 verbindlich vorgeschrieben sind, Scope 3 aber formal optional ist, unterschätzen viele Unternehmen dessen Bedeutung – in der Praxis macht Scope 3 jedoch in den meisten Branchen 70–90 % des gesamten Corporate Carbon Footprint aus und ist unter CSRD/ESRS E1 nach einer Wesentlichkeitsanalyse de facto berichtspflichtig. Eine Erleichterung gibt es für kleinere berichtspflichtige Unternehmen: Für Unternehmen mit bis zu 750 Mitarbeitenden erlaubt ESRS E1 im ersten Berichtsjahr, auf die Angabe der Scope-3-Emissionen zu verzichten.

Zur Berechnung stehen drei Methoden zur Verfügung, die häufig kombiniert werden:

  • Spend-based: Ausgaben in Euro ×branchendurchschnittlicher Emissionsfaktor - schnell umsetzbar, aber am wenigsten präzise, da preis- statt mengenbasiert.
  • Activity-based: physische Mengenangaben (z. B.Tonnenkilometer, Kilowattstunden) × spezifischer Emissionsfaktor – deutlich genauer, vor allem für Transport, Energie und Pendelverkehr geeignet.
  • Supplier-specific: reale Product-Carbon-Footprint-Dateneinzelner Lieferanten – höchste Genauigkeit, aber abhängig von der Datenbereitschaft der Lieferkette.

Empfehlenswert ist ein pragmatischer Einstieg über den spend-based Ansatz zur Identifikation der größten Hotspots, gefolgt von einer schrittweisen Verfeinerung der wesentlichsten Kategorien über aktivitätsbasierte oder lieferantenspezifischeDaten.

Schritt 7: Daten sammeln

Identifizieren Sie für jede relevante Kategorie die zuständige Abteilung und die passende Datenquelle: Facility Management für Energieverbräuche, Fuhrparkmanagement für Kraftstoffe, Einkauf für Warengruppen und Lieferantendaten, Personalabteilung für Geschäftsreisen und Pendelverkehr, IT für Rechenzentren und Cloud-Nutzung. Bauen Sie wiederholbare Abfrageprozesse auf, statt jedes Jahr neu improvisieren zu müssen.

Schritt 8: Emissionsfaktoren auswählen

Emissionsfaktoren übersetzen eine Aktivität (z. B. 1 Liter Diesel oder 1 kWh Strom) in CO₂-Äquivalente. Die wichtigsten Quellen:

  • DEFRA (UK Department for Energy Security and Net Zero):breite, jährlich aktualisierte Faktoren u. a. für Kraftstoffe, Geschäftsreisenund Abfall, international häufig verwendet
  • ecoinvent: umfassende Lebenszyklus-Datenbank (LCA) mithoher Detailtiefe für Produkte, Materialien und Prozesse, Grundlage vieler aktivitätsbasierter Berechnungen
  • IPCC: liefert die GWP-Werte zur Umrechnung verschiedener Treibhausgase in CO₂-Äquivalente, nicht aber operative Emissionsfaktoren für einzelne Aktivitäten
  • Nationale Datenbanken: z. B. Probas des Umweltbundesamts (Deutschland), GEMIS oder länderspezifische Stromfaktoren; wichtig für standortbasierte Scope-2-Berechnungen
  • Exiobase: multiregionale Input-Output-Datenbank, häufig für spend-based Scope-3-Berechnungen genutzt

Wichtig für die Auditfähigkeit: Dokumentieren Sie zu jedem verwendeten Wert Quelle, Version und Anwendungsjahr, da sich Emissionsfaktoren regelmäßig aktualisieren.

Schritt 9: Emissionen berechnen

Die Grundformel lautet: Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor = Emissionen in kg CO₂e. Praxisbeispiel: Ein Firmenwagen verbraucht 1.800 Liter Diesel pro Jahr. Bei einem Emissionsfaktorvon rund 2,68 kg CO₂e pro Liter Diesel ergeben sich 1.800 × 2,68 = 4.824 kg CO₂e, also rund 4,8 Tonnen CO₂e für dieses Fahrzeug in Scope 1. Für Scope 2 wird analog der Stromverbrauch in kWh mit dem jeweiligen standort- oder marktbasierten Emissionsfaktor verrechnet. Für Scope-3-Kategorie 3.1 werden entweder Ausgaben pro Warengruppe mit einem branchendurchschnittlichen Faktor oder Mengenangaben mit einem produktspezifischen ecoinvent-Faktor multipliziert.

Schritt 10: Qualität prüfen: Plausibilisierung und Auditfähigkeit

Bevor die Bilanz veröffentlicht wird, sollte sie einer Plausibilitätsprüfung unterzogen werden: Weichen einzelne Werte stark vom Vorjahr ab, sollte dies begründbar sein (z. B. durch eine neue Maschine oder einen Standortzuwachs). Dokumentieren Sie alle Annahmen, verwendeten Emissionsfaktoren und Berechnungsschritte lückenlos in einem AuditTrail, damit die Bilanz im Zweifel extern verifiziert werden kann – ein Mussf ür CSRD-Berichte mit Prüfungspflicht.

Schritt 11: Bericht erstellen

Fassen Sie die Ergebnisse ineinem strukturierten Bericht zusammen: Gesamtemissionen nach Scope,Aufschlüsselung nach den wesentlichen Scope-3-Kategorien, Vergleich zumBasisjahr, Emissions-Hotspots und methodische Erläuterungen. Je nachZielsetzung fließt der Bericht in den CSRD-Nachhaltigkeitsbericht, einenfreiwilligen VSME-Bericht, eine CDP-Antwort oder eine interneKlimastrategie-Präsentation ein.

Schritt 12: Reduktionsmaßnahmen ableiten

Die Klimabilanz ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für Handeln. Priorisieren Sie Emissions-Hotspots nach Reduktionspotenzial und Umsetzbarkeit, definieren Sie konkrete, terminierte Maßnahmen (z. B. Umstieg auf Grünstrom, Elektrifizierung des Fuhrparks, Lieferantenengagement für Primärdaten) und etablieren Sie ein jährliches Monitoring, um Fortschritte gegenüber dem Basisjahr zu verfolgen.

Welche Daten werden für eine Klimabilanz benötigt?

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Datenkategorien, ihre Scope-Zuordnung und typische Datenquellen im Unternehmen.

Datenkategorie Scope Typische Datenquelle
Strom Scope 2 Stromabrechnungen, Zählerdaten, Facility Management
Erdgas / Heizöl Scope 1 Energieabrechnungen, Verbrauchsmessung
Fernwärme / Fernkälte Scope 2 Abrechnungen des Wärmeversorgers
Fuhrpark (eigene Fahrzeuge) Scope 1 Tankkartenabrechnungen, Kilometerstände
Geschäftsreisen Scope 3.6 Reisekostenabrechnungen, Buchungssysteme
Pendelverkehr der Mitarbeitenden Scope 3.7 Mitarbeiterbefragung, Mobilitätsdaten
Eingekaufte Waren & Rohstoffe Scope 3.1 Einkaufsdaten, Lieferantenangaben, ERP
Verpackungen Scope 3.1 Einkaufsmengen, Materialdatenblätter
Vorgelagerter Transport/Logistik Scope 3.4 Spediteursdaten, Frachtbriefe, Tonnenkilometer
Nachgelagerter Transport/Vertrieb Scope 3.9 Logistikdienstleister, Versanddaten
Abfall und Entsorgung Scope 3.5 Entsorgungsnachweise, Abfallmengen
IT und Rechenzentren / Cloud Scope 3.1 / 3.11 IT-Abteilung, Cloud-Provider-Reports
Kapitalgüter (Maschinen, Gebäude) Scope 3.2 Anlagenbuchhaltung, Investitionsplanung
Nutzung verkaufter Produkte Scope 3.11 Produktdatenblätter, Nutzungsannahmen
Geleaste Vermögenswerte Scope 3.8 / 3.13 Leasingverträge, Vermieterangaben

15 typische Fehler bei der Erstellung einer Klimabilanz

  1. Systemgrenzen werden nicht klar dokumentiert,wodurch die Bilanz im Folgejahr nicht vergleichbar ist.
  2. Scope 3 wird komplett übersprungen, weil es formaloptional ist – trotz 70–90 % Anteil an der Gesamtbilanz.
  3. Es wird kein festes Basisjahr definiert, wodurchReduktionsziele nicht messbar sind.
  4. Doppelbilanzierung durch unklare Zuordnung zuStandorten oder Tochtergesellschaften.
  5. Veraltete oder falsch referenzierteEmissionsfaktoren ohne Quellenangabe.
  6. Vermischung von standortbasierten und marktbasiertenScope-2-Werten ohne saubere Trennung.
  7. Kompensierte Emissionen von Lieferanten werdenfälschlich mit null bilanziert.
  8. Keine Dokumentation der Berechnungsannahmen – dieBilanz ist im Audit nicht nachvollziehbar.
  9. Ausschließliche Nutzung des spend-based Ansatzes,obwohl aktivitätsbasierte Daten verfügbar wären.
  10. Fehlende Einbindung von Fachabteilungen, wodurchDatenlücken erst am Ende auffallen.
  11. Kein Plausibilitätscheck gegenüber dem Vorjahr,wodurch Dateneingabefehler unentdeckt bleiben.
  12. Zu später Start des Prozesses vor einerBerichtsfrist, wodurch Datenqualität leidet.
  13. Verwechslung von CO₂-neutral und klimaneutral(letzteres bezieht alle sieben Kyoto-Treibhausgase ein).
  14. Unterschätzung des Zeitaufwands für dieScope-3-Datenerhebung bei Lieferanten.
  15. Die Bilanz wird erstellt, aber es folgen keinekonkreten Reduktionsmaßnahmen.

Wie lange dauert die Erstellung einer Klimabilanz?

Unternehmensgröße Typischer Zeitaufwand (erste Bilanz) Wesentlicher Aufwandstreiber
Kleines Unternehmen, 1 Standort 3–6 Wochen Datenverfügbarkeit, fehlende Erfahrung
Mittelständisches Unternehmen, 1–3 Standorte 6–12 Wochen Abteilungsübergreifende Datensammlung
Mittelständisches Unternehmen mit Produktion 10–16 Wochen Scope-3-Lieferantendaten, Stücklisten
Konzern mit mehreren Ländern/Gesellschaften 4–9 Monate Konsolidierung, Doppelzählungsvermeidung

Mit einer eingeführten Software sinkt der Aufwand für Folgejahre erfahrungsgemäß deutlich, da Strukturen, Emissionsfaktoren und Datenquellen bereits hinterlegt sind.

Excel oder Software: Was passt für welches Unternehmen?

Kriterium Excel Spezialisierte Software
Geeignet für Einstieg, ein Standort, geringe Komplexität Mehrere Standorte, Scope 3, wiederkehrende Berichtspflicht
Emissionsfaktoren Manuell recherchiert und eingepflegt Zentral hinterlegt und aktuell
Nachvollziehbarkeit Kaum Versionskontrolle Audit Trail, Dokumentenmanagement
Doppelbilanzierung Manuell zu vermeiden, fehleranfällig Strukturell durch Hierarchie-Abbildung verhindert
Integration in CSRD/VSME Doppelte Dateneingabe nötig Direkte Übernahme der Daten
Aufwand im Folgejahr Bleibt hoch Sinkt deutlich durch Automatisierung

Software lohnt sich in der Regel, sobald mehr als ein Standort einbezogen wird, Scope 3 systematisch bilanziert werden soll, die Klimabilanz jährlich wiederholt wird oder die Ergebnisse direkt in CSRD- oder VSME-Berichte einfließen müssen.

Praxisbeispiel: Klimabilanz eines mittelständischen Maschinenbauunternehmens

Ein fiktives, aber realistisches Beispiel: Die „Musterwerk GmbH“ ist ein mittelständischer Maschinenbauer mit 320 Mitarbeitenden, einem Produktionsstandort in Deutschland und Kunden in ganz Europa. Auf Anfrage eines Großkunden erstellt das Unternehmen erstmals eine vollständige Klimabilanz nach GHG Protocol.

Datenerhebung

  • Scope 1: Erdgasverbrauch für die Produktionshalle (480.000 kWh), Dieselverbrauch des Fuhrparks (22.000 Liter)
  • Scope 2: Stromverbrauch 1,1 Mio. kWh, davon 30 % aus einem Grünstromvertrag
  • Scope 3: Stahl- und Aluminiumeinkauf (Kategorie 3.1),Spedition für Zulieferungen (3.4), Geschäftsreisen des Vertriebs (3.6),Pendelverkehr der Belegschaft (3.7), Nutzung der verkauften Maschinen durch Kunden über deren Lebensdauer (3.11)

Berechnung und Ergebnis

Scope 1 ergibt rund 155 Tonnen CO₂e (Erdgas) plus rund 59 Tonnen CO₂e (Diesel), zusammen etwa 214 Tonnen CO₂e. Scope 2 ergibt marktbasiert rund 291 Tonnen CO₂e (unter Berücksichtigung des Grünstromanteils). Scope 3 macht mit rund 4.100 Tonnen CO₂e den mit Abstand größten Anteil aus, davon allein rund 2.600 Tonnen CO₂e aus eingekauftem Stahl und Aluminium (Kategorie 3.1) und rund 1.050 Tonnen CO₂e aus der Nutzungsphase der verkauften Maschinen (Kategorie 3.11). Der Gesamt-Corporate-Carbon-Footprint liegt bei rund 4.600 Tonnen CO₂e.

Abgeleitete Maßnahmen

  • Umstellung auf 100 % Grünstrom zur Reduktion von Scope2
  • Engagement der drei größten Stahl- und Aluminiumlieferanten zur Bereitstellung produktspezifischer Emissionsdaten statt Branchendurchschnitten
  • Elektrifizierung eines Teils des Fuhrparks
  • Energieeffizientere Maschinenkonstruktion zur Reduktionder Nutzungsphase-Emissionen bei Kunden (Kategorie 3.11)

Checkliste: Vorbereitung einer Klimabilanz

  • Ziel der Klimabilanz definiert (intern, CSRD,VSME, SBTi, Kundenanfrage)
  • Commitment der Geschäftsführung und Ressourcen gesichert
  • Verantwortliche Person bzw. Projektteam benannt
  • Bilanzierungsstandard festgelegt (GHGProtocol, ISO 14064-1)
  • Organisatorische Systemgrenzen definiert (Standorte, Gesellschaften, Konsolidierungsansatz)
  • Basisjahr festgelegt
  • Operative Systemgrenzen (Scope 1–3) bestimmt
  • Zuständige Fachabteilungen für Datenerhebung identifiziert
  • Relevante Scope-3-Kategorien priorisiert (Wesentlichkeitsanalyse)
  • Emissionsfaktoren-Quellen ausgewählt und dokumentiert
  • Datenerhebungsprozess wiederholbar aufgesetzt (nicht nur einmalig)
  • Plausibilitätsprüfung und Audit Trail eingeplant
  • Entscheidung Excel vs. Software getroffen
  • Berichtsformat festgelegt (CSRD/VSME/CDP/intern)
  • Prozess für jährliche Wiederholung und Monitoring etabliert

Software für die Klimabilanz: Wann lohnt sich der Umstieg von Excel?

Excel-Tabellen sind für den ersten Überblick an einem einzelnen Standort brauchbar. Sobald jedoch mehrere Standorte, Gesellschaften oder Berichtsjahre hinzukommen, Scope 3 systematisch bilanziert werden soll oder die Ergebnisse direkt in CSRD- oder VSME-Berichte einfließen müssen, wird der manuelle Aufwand unverhältnismäßig hoch – und die Nachvollziehbarkeit für ein Audit leidet.

cubemos ist eine modulare ESG-Compliance-Software aus München, die speziell für den europäischen Mittelstand entwickelt wurde. Das CO₂-Modul bildet Scope 1, 2 und 3 vollständig nach GHG Protocol ab und deckt dabei alle 15 Scope-3-Kategorien ab – kombiniert mit über 150.000 Emissionsfaktoren aus Quellen wie ecoinvent, Exiobase und Probas des Umweltbundesamts. Der entscheidende Unterschied zu einer isolierten CO₂-Rechner-Lösung: Die Klimabilanz ist bei cubemos kein Insel-Modul, sondern Teil einer gemeinsamen Datenbasis, die automatisch in CSRD-, VSME- undEMAS-Berichte einfließt – Daten müssen also nur einmal erfasst werden. Automatisierte Datenanfragen an Fachabteilungen, ein Audit Trail mit Plausibilitätsprüfung sowie zusätzliche Nachhaltigkeitsexpertise unterstützen Unternehmen gezielt bei ihrem ersten Berichtszyklus, während die modulare Architektur es erlaubt, künftig weitere Anforderungen wie EUDR oder PPWR auf derselben Datenbasis zu ergänzen, statt für jede neue Regulierung ein neues Tool einzuführen.

FAQ: Häufige Fragen zur Klimabilanz

Was ist eine Klimabilanz einfach erklärt?

Eine Klimabilanz ist eine systematische Erfassung aller Treibhausgasemissionen eines Unternehmens ineinem bestimmten Zeitraum, unterteilt in Scope 1, 2 und 3 nach dem GHG Protocol, umgerechnet in CO₂-Äquivalente.

Wie erstellt man eine Klimabilanz?

In zwölf Schritten: Ziele definieren, organisatorische und operative Systemgrenzen festlegen, Scope 1–3erfassen, Daten sammeln, Emissionsfaktoren auswählen, Emissionen berechnen, Qualität prüfen, Bericht erstellen und Reduktionsmaßnahmen ableiten.

Welche Daten braucht man für eine Klimabilanz?

Unter anderem Strom-, Gas- undKraftstoffverbräuche, Daten zu Geschäftsreisen und Pendelverkehr, Einkaufsmengen und -ausgaben, Logistik- und Transportdaten sowie Angaben zu Abfall, IT-Nutzung und Kapitalgütern.

Kann man eine Klimabilanz selbst erstellen?

Ja, mit ausreichendem Fachwissen zu GHG Protocol oder ISO 14064-1 sowie genügend personellen und zeitlichen Ressourcen ist eine Eigenerstellung möglich – für Scope 3 und mehrere Standorte wird der Aufwand jedoch schnell hoch.

Wie lange dauert die Erstellung einer Klimabilanz?

Für ein mittelständisches Unternehmen mit einem Standort meist sechs bis zwölf Wochen, bei mehreren Standorten oder komplexer Lieferkette mehrere Monate. Folgejahre gehen mit etablierten Prozessen deutlich schneller.

Was ist der Unterschied zwischen Scope 1, 2 und 3?

Scope 1 sind direkte Emissionen aus eigenen Anlagen und Fahrzeugen, Scope 2 Emissionen aus eingekaufter Energie, Scope 3 alle übrigen indirekten Emissionen der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette in 15 Kategorien.

Ist die Bilanzierung von Scope 3 Pflicht?

Nach dem GHG Protocol ist Scope 3 formal optional, während Scope 1 und 2 verbindlich sind. Unter CSRD/ESRS E1ist Scope 3 nach einer Wesentlichkeitsanalyse für die meisten Unternehmen jedoch de facto berichtspflichtig; kleinere berichtspflichtige Unternehmen (bis 750 Mitarbeitende) dürfen im ersten Berichtsjahr darauf verzichten.

Welche Standards gelten für die Klimabilanzierung?

International am weitesten verbreitet ist das GHG Protocol, ergänzt durch die ISO 14064-1. Für Produkte gilt der GHG Protocol Product Standard bzw. die ISO 14067, für CSRD-Berichte zusätzlich ESRS E1.

Was sind Emissionsfaktoren und woher kommen sie?

Emissionsfaktoren übersetzen eine Aktivität (z. B. 1 Liter Diesel) in CO₂-Äquivalente. Wichtige Quellen sind DEFRA, ecoinvent, nationale Datenbanken wie Probas sowie Exiobase; die IPCC liefert die zugrunde liegenden GWP-Umrechnungswerte.

Was ist der Unterschied zwischen spend-based und activity-based Berechnung?

Spend-based verrechnet Ausgaben in Euro mit Branchendurchschnittswerten und ist schnell, aber ungenau. Activity-based nutzt physische Mengenangaben (z. B. kWh, Tonnenkilometer) mit spezifischen Emissionsfaktoren und liefert präzisere Ergebnisse.

Was ist der Unterschied zwischen CO₂-neutral und klimaneutral?

CO₂-neutral bezieht sich ausschließlich auf Kohlendioxid. Klimaneutral bzw. treibhausgasneutral berücksichtigt alle sieben Kyoto-Treibhausgase (u. a. CH₄, N₂O) und ist damit der umfassendere Begriff.

Was ist der Unterschied zwischen CCF und PCF?

Der Corporate Carbon Footprint(CCF) bilanziert die Emissionen des gesamten Unternehmens, der Product CarbonFootprint (PCF) die Emissionen eines einzelnen Produkts über dessen gesamten Lebenszyklus.

Welche Unternehmen müssen eine Klimabilanz erstellen?

Nach der EU-Omnibus-Richtlinie (EU) 2026/470 sind aktuell Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450 Mio. Euro Jahresumsatz zur CSRD-Berichterstattung verpflichtet. Kleinere Unternehmen berichten oft freiwillig, etwa nach VSME, oder auf Anfrage von Kunden und Banken.

Was kostet die Erstellung einer Klimabilanz?

Die Kosten variieren stark je nach Unternehmensgröße, Komplexität und ob intern oder mit externer Unterstützung gearbeitet wird – von wenigen hundert Euro für kostenfreie Online-Rechner bis zu mehreren tausend Euro für Beratung oder Software-Lizenzen.

Welches Basisjahr sollte gewählt werden?

Idealerweise das erste Geschäftsjahr, für das vollständige und belastbare Daten über alle relevanten Scopes vorliegen. Das Basisjahr dient künftig als fester Vergleichsmaßstab für Reduktionsziele.

Was ist der Unterschied zwischen operativer Kontrolle und finanzieller Kontrolle?

Beim Ansatz der operativen Kontrolle werden Einheiten bilanziert, die operativ gesteuert werden. Beim Ansatz der finanziellen Kontrolle (Equity-Share-Ansatz) erfolgt die Bilanzierung nach Kapitalanteil – relevant vor allem für Gemeinschaftsunternehmen und Minderheitsbeteiligungen.

Wie vermeidet man Doppelbilanzierung bei mehreren Standorten?

Durch eine klare, dokumentierte Zuordnung von Emissionsquellen zu Organisationseinheiten sowie eine Software oder Struktur, die die Unternehmenshierarchie eindeutig abbildet und verhindert, dass dieselbe Emission mehrfach erfasst wird.

Was passiert, wenn Daten fehlen?

Fehlende Primärdaten werden zunächst durch Schätzungen oder branchendurchschnittliche Sekundärdaten ersetzt und im Folgejahr schrittweise durch genauere Werte ersetzt. Wichtig ist, Annahmen transparent zu dokumentieren.

Muss die Klimabilanz von einem externen Prüfer verifiziert werden?

Für CSRD-Berichte ist eine externe Prüfung (Assurance) vorgeschrieben. Für rein freiwillige oder interne Klimabilanzen ist eine Verifizierung nicht zwingend, erhöht aber die Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden und Investoren.

Wie oft muss eine Klimabilanz aktualisiert werden?

In der Regel jährlich, passend zum Geschäfts- bzw. Berichtsjahr, um Fortschritte gegenüber dem Basisjahr nachvollziehbar zu machen.

Welche Rolle spielt Software bei der Klimabilanzierung?

Software automatisiert Datenerfassung, Emissionsfaktor-Zuordnung und die Integration der Ergebnisse in CSRD- oder VSME-Berichte, reduziert Fehlerquellen und verhindert Doppelbilanzierung – besonders wertvoll ab mehreren Standorten oder bei systematischer Scope-3-Bilanzierung.

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