CO2 Accounting

Scope 3 Emissionen berechnen: Anleitung für Unternehmen 2026

Scope-3-Emissionen sind alle indirekten Treibhausgasemissionen in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens, die nicht in Scope 1 oder Scope 2 fallen – etwa aus eingekauften Waren, Transporten, Geschäftsreisen oder der Nutzung verkaufter Produkte. Das GHG Protocol teilt sie in 15 Kategorien. Berechnet wird je Kategorie nach dem Prinzip Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor = Emissionen in CO₂e; die Methode richtet sich nach der Datenlage.
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Scope 3 - Grundlagen, Methoden und Praxisbeispiele
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Was sind Scope-3-Emissionen?

Scope-3-Emissionen sind indirekte Treibhausgasemissionen, die in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen – in Anlagen und Aktivitäten, die das Unternehmen weder besitzt noch kontrolliert. Das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) grenzt Scope 3 von Scope 1 (direkte Emissionen) und Scope 2 (eingekaufte Energie) ab. Die Regeln dafür stehen im Corporate Value Chain (Scope 3) Standard.

Scope Bedeutung Beispiele
Scope 1Direkte Emissionen aus Quellen, die das Unternehmen besitzt oder kontrolliertErdgas-Heizung, Prozessöfen, Diesel im eigenen Fuhrpark, Kältemittelverluste
Scope 2Indirekte Emissionen aus der Erzeugung eingekaufter Energie für den EigenverbrauchStrom, Fernwärme, Dampf, Kälte
Scope 3Alle übrigen indirekten Emissionen der WertschöpfungsketteRohstoffe und Bauteile, Speditionen, Geschäftsreisen, Pendeln, Nutzung und Entsorgung verkaufter Produkte

Scope-3-Emissionen eines Unternehmens sind immer Scope-1- oder Scope-2-Emissionen anderer Unternehmen – etwa eines Lieferanten oder einer Spedition. Diese Überschneidung zwischen Unternehmen ist gewollt. Innerhalb der eigenen Bilanz sind die 15 Kategorien dagegen so angelegt, dass sie sich gegenseitig ausschließen und Doppelzählungen vermieden werden.

Bilanziert werden nicht nur CO₂, sondern alle Treibhausgase des Kyoto-Protokolls: CO₂, Methan (CH₄), Lachgas (N₂O), HFKW, FKW, SF₆ und NF₃. Sie werden über ihr Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP) auf einem 100-Jahres-Horizont in CO₂-Äquivalente (CO₂e) umgerechnet. Die Quelle der GWP-Werte (z. B. IPCC-Sachstandsbericht) ist offenzulegen.

Welche Emissionen gehören zu Scope 3? Die 15 Kategorien

Das GHG Protocol unterteilt Scope 3 in 15 Kategorien. Die Kategorien 1 bis 8 bilden vorgelagerte (Upstream-)Aktivitäten ab, die Kategorien 9 bis 15 nachgelagerte (Downstream-)Aktivitäten. Die Tabelle zeigt, was die Technical Guidance jeweils als Mindestumfang beschreibt, mit Beispielen aus dem Mittelstand.

Nr. Scope-3-Kategorie Richtung Was erfasst wird – Beispiel
1Eingekaufte Waren und DienstleistungenUpstreamCradle-to-gate-Emissionen von Rohstoffen, Bauteilen, Verpackungen, IT-, Reinigungs- und Beratungsleistungen
2KapitalgüterUpstreamHerstellung neu angeschaffter Maschinen, Gebäude, Fahrzeuge, IT-Hardware – vollständig im Anschaffungsjahr
3Brennstoff- und energiebezogene Aktivitäten (nicht in Scope 1/2)UpstreamVorkette von Erdgas, Diesel und Strom (Förderung, Aufbereitung, Transport) sowie Netzverluste
4Vorgelagerter Transport und DistributionUpstreamAnlieferung vom direkten Lieferanten durch Dritte; auch vom Unternehmen bezahlte Ausgangslogistik und Lagerdienstleistungen
5Abfall aus dem BetriebUpstreamEntsorgung und Behandlung betrieblicher Abfälle und Abwässer durch Dritte
6GeschäftsreisenUpstreamFlug, Bahn, Mietwagen, Taxi in nicht eigenen Fahrzeugen; Hotelübernachtungen optional
7Pendeln der MitarbeitendenUpstreamArbeitswege mit privatem Pkw, ÖPNV, Rad; Emissionen aus Homeoffice optional
8Vorgelagerte geleaste SachanlagenUpstreamBetrieb gemieteter/geleaster Anlagen, soweit nicht bereits in Scope 1/2 enthalten
9Nachgelagerter Transport und DistributionDownstreamTransport verkaufter Produkte zum Endkunden, den das Unternehmen nicht bezahlt, inkl. Lager und Handel
10Verarbeitung verkaufter ProdukteDownstreamWeiterverarbeitung verkaufter Zwischenprodukte beim Kunden, z. B. Halbzeuge oder Komponenten
11Nutzung verkaufter ProdukteDownstreamDirekte Nutzungsemissionen über die erwartete Lebensdauer, z. B. Stromverbrauch verkaufter Maschinen
12Behandlung verkaufter Produkte am LebensendeDownstreamEntsorgung, Verbrennung, Recycling verkaufter Produkte und ihrer Verpackungen
13Nachgelagerte geleaste SachanlagenDownstreamBetrieb von Anlagen oder Immobilien, die das Unternehmen an Dritte vermietet
14FranchisesDownstreamBetrieb von Franchisebetrieben (berichtet vom Franchisegeber)
15InvestitionenDownstreamBeteiligungen, Kredite, Projektfinanzierungen – vor allem für Finanzinstitute relevant

Praxis-Einordnung: Vier Abgrenzungen, die oft falsch laufen

  • Ausgangslogistik: Bezahlt das Unternehmen die Spedition für den Versand an Kunden, gehört dieser Transport laut GHG-Guidance in Kategorie 4, nicht in Kategorie 9. Kategorie 9 umfasst nur Transporte, die das Unternehmen nicht bezahlt.
  • Transport in der Vorkette: Transporte zwischen Tier-2- und Tier-1-Lieferanten sind bereits in den Cradle-to-gate-Emissionen der Kategorie 1 enthalten. Kategorie 4 beginnt erst beim direkten Lieferanten.
  • Kapitalgüter: Die Abgrenzung zwischen Kategorie 1 und 2 folgt der eigenen Finanzbuchhaltung (Aktivierung im Anlagevermögen). Kapitalgüter werden im Anschaffungsjahr vollständig bilanziert, nicht über die Nutzungsdauer abgeschrieben.
  • Nutzungsphase: Kategorie 11 erfasst die über die gesamte erwartete Lebensdauer anfallenden Emissionen der im Berichtsjahr verkauften Produkte – nicht nur ein Nutzungsjahr.

Müssen Unternehmen alle 15 Scope-3-Kategorien berechnen?

Nicht jede Kategorie muss im Detail berechnet werden. Wer nach dem GHG Protocol Scope 3 Standard bilanziert, muss aber alle 15 Kategorien prüfen und jeden Ausschluss offenlegen und begründen. Welche Kategorien vertieft berechnet werden, ergibt sich aus einem Screening. Kategorien, die auf das Geschäftsmodell nicht zutreffen – etwa Franchises bei einem Maschinenbauer –, entfallen mit kurzer Begründung.

Was das GHG Protocol verlangt

Das GHG Protocol unterscheidet zwei Ebenen. Der Corporate Standard verpflichtet zu Scope 1 und 2; Scope 3 ist dort optional. Der Scope 3 Standard legt fest, wie eine vollständige Scope-3-Bilanz aussieht, wenn ein Unternehmen sie nach diesem Standard erstellt. Die Technical Guidance empfiehlt, zunächst mit weniger spezifischen Daten die Größenordnung aller 15 Kategorien abzuschätzen und dann zu entscheiden, wo genauer gerechnet wird.

Für das Screening nennt die Guidance acht Kriterien:

Kriterium Frage für das Screening
GrößeTrägt die Aktivität wesentlich zu den erwarteten Scope-3-Emissionen bei?
EinflussKann das Unternehmen Emissionsminderungen selbst umsetzen oder beeinflussen?
RisikoTrägt die Aktivität zu klimabezogenen Risiken bei (finanziell, regulatorisch, Lieferkette, Reputation)?
StakeholderHalten Kunden, Lieferanten, Investoren oder die Öffentlichkeit die Aktivität für wichtig?
OutsourcingWurde die Aktivität ausgelagert, die früher intern erbracht wurde oder in der Branche üblicherweise intern erbracht wird?
SektorleitfädenWird die Aktivität in branchenspezifischen Leitfäden als bedeutsam eingestuft?
Ausgaben/UmsatzEntfallen hohe Ausgaben oder Umsätze auf die Aktivität (oft korreliert mit hohen Emissionen)?
SonstigeErfüllt die Aktivität weitere, vom Unternehmen oder der Branche definierte Kriterien?

Wichtig für die Praxis: Datenverfügbarkeit entscheidet über die Methode, nicht darüber, ob eine relevante Kategorie in der Bilanz auftaucht. Fehlen gute Daten für eine große Kategorie, wird sie mit einer einfacheren Methode geschätzt und die Unsicherheit dokumentiert – statt sie wegzulassen.

Was CSRD und ESRS verlangen

Die CSRD wurde durch die Omnibus-I-Richtlinie (EU) 2026/470 geändert, die am 26. Februar 2026 im Amtsblatt veröffentlicht wurde und am 18. März 2026 in Kraft trat. Berichtspflichtig sind danach nur noch EU-Unternehmen mit durchschnittlich mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Nettoumsatz (Europäisches Parlament, Legislative Train). Die Mitgliedstaaten haben bis März 2027 Zeit zur Umsetzung. Unternehmen der ersten Berichtswelle berichten für die Geschäftsjahre 2025 und 2026 grundsätzlich weiter; Mitgliedstaaten können Unternehmen unterhalb der neuen Schwellen davon freistellen.

Die EU-Kommission hat am 3. Juli 2026 überarbeitete ESRS verabschiedet (EU-Kommission). Sie gelten für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027 und dürfen für 2026 freiwillig angewendet werden. Zum Recherchezeitpunkt lag der Rechtsakt Parlament und Rat zur Prüfung vor. Ist Klimawandel wesentlich, verlangt ESRS E1 die Angabe der Brutto-THG-Emissionen einschließlich der signifikanten Scope-3-Kategorien und verweist für die Berechnung auf das GHG Protocol.

Für nicht berichtspflichtige Unternehmen gilt künftig ein Value-Chain-Cap: CSRD-pflichtige Unternehmen dürfen von Partnern mit bis zu 1.000 Beschäftigten für ihre eigene Berichterstattung grundsätzlich nicht mehr verlangen, als der freiwillige Standard vorsieht. Nach Analysen mehrerer Kanzleien und Beratungen sind Treibhausgasdaten davon nur eingeschränkt erfasst, und Anfragen auf vertraglicher Basis oder in Ausschreibungen bleiben ohnehin möglich. Mittelständler sollten also weiter mit Emissionsanfragen ihrer Kunden rechnen. Für freiwillige Berichte bietet sich das VSME-Reporting an; CSRD-pflichtige Unternehmen finden die Anforderungen im CSRD-Reporting.

Ausblick: Revision des Scope 3 Standards

Das GHG Protocol überarbeitet den Scope 3 Standard aus dem Jahr 2011. Im Phase-1-Fortschrittsbericht vom 31. März 2026 wird unter anderem diskutiert, dass mindestens 95 % der erforderlichen Scope-3-Emissionen bilanziert und Ausschlüsse quantitativ belegt werden müssen (GHG Protocol, Phase 1 Progress Update). Das Dokument ist ausdrücklich ein Arbeitsentwurf, kein gültiger Standard. Ein Entwurf zur öffentlichen Konsultation war für die zweite Jahreshälfte 2026 angekündigt; der Zeitplan kann sich durch die Zusammenarbeit mit der ISO verschieben. Bis dahin gilt der Standard von 2011.

Scope 3 berechnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Eine Scope-3-Berechnung folgt sieben Schritten: Bilanzgrenzen festlegen, relevante Kategorien per Screening bestimmen, benötigte Daten identifizieren, je Kategorie eine Methode wählen, passende Emissionsfaktoren auswählen, rechnen und aggregieren, Ergebnisse prüfen und dokumentieren.

Schritt 1: Organisations- und Bilanzgrenzen festlegen

Zuerst wird festgelegt, welche Gesellschaften, Standorte und Aktivitäten zur Bilanz gehören. Das GHG Protocol kennt drei Konsolidierungsansätze: operative Kontrolle, finanzielle Kontrolle und Equity Share. Der Ansatz muss mit Scope 1 und 2 übereinstimmen, denn er entscheidet, was in Scope 1/2 und was in Scope 3 landet – etwa bei geleasten Anlagen (Kategorie 8 oder Scope 1/2) oder bei Beteiligungen (Kategorie 15). Die überarbeiteten ESRS lassen nach Analysen von Kanzleien künftig sowohl den finanziellen als auch den operativen Kontrollansatz zu.

Außerdem werden Berichtsjahr und Basisjahr bestimmt. Das Basisjahr ist der Vergleichsmaßstab für spätere Reduktionen und muss bei wesentlichen Änderungen (Zukäufe, Methodenwechsel, bessere Daten) neu berechnet werden. Mehr zur Gesamtbilanz erklärt der Beitrag zum Corporate Carbon Footprint.

Schritt 2: Relevante Scope-3-Kategorien identifizieren

Beim Screening werden alle 15 Kategorien grob abgeschätzt, meist mit Ausgabendaten aus der Kreditorenbuchhaltung und Durchschnittsfaktoren. Danach werden die Kriterien aus der Tabelle oben angewendet. Das Ergebnis ist eine Liste: vertieft berechnen, vereinfacht berechnen, nicht zutreffend (mit Begründung).

Mini-Beispiel: Screening bei einem Hersteller von Kunststoffverpackungen (150 Beschäftigte)

Kategorie 1 (Kunststoffgranulat): größter Posten im Einkauf, hoher Einfluss über Rezyklatanteil → vertieft berechnen.

Kategorie 12 (Lebensende verkaufter Verpackungen): hohe Stakeholder-Relevanz, Kunden fragen danach → vertieft berechnen.

Kategorie 4 (Anlieferung und bezahlter Versand): mittlere Größe, Daten bei Speditionen verfügbar → aktivitätsbasiert berechnen.

Kategorie 11 (Nutzung): Verpackungen verbrauchen in der Nutzung keine Energie; direkte Nutzungsemissionen null → mit Begründung ausweisen.

Kategorie 14 (Franchises): trifft nicht zu → mit Begründung ausschließen.

Schritt 3: Benötigte Daten identifizieren

Jede Kategorie braucht andere Aktivitätsdaten. Die GHG-Guidance definiert Aktivitätsdaten als quantitatives Maß einer Tätigkeit, die Emissionen verursacht – etwa Liter Kraftstoff oder Kilogramm eingekauftes Material. Typische Datenquellen im Unternehmen sind:

  • Einkaufs- und ERP-Daten: Bestellungen, Warengruppen, Mengen, Gewichte aus dem Materialstamm, Stücklisten.
  • Kreditorenbuchhaltung: Ausgaben je Lieferant und Sachkonto (netto, ohne Umsatzsteuer).
  • Anlagenbuchhaltung: Zugänge zum Anlagevermögen für Kategorie 2.
  • Energieabrechnungen: Strom-, Gas- und Kraftstoffmengen aus Scope 1/2 als Basis für Kategorie 3.
  • Logistikdaten: Gewicht, Distanz, Verkehrsträger von Speditionen; Tonnenkilometer.
  • Reisekostensystem: Strecken, Verkehrsmittel, Flugklassen, Übernachtungen.
  • Mitarbeiterbefragung: Arbeitsweg, Verkehrsmittel, Präsenztage.
  • Entsorgerdaten: Abfallmengen je Abfallart und Behandlungsweg.
  • Vertriebs- und Produktdaten: verkaufte Stückzahlen, Energieverbrauch und Lebensdauer der Produkte, Materialzusammensetzung.
  • Lieferantendaten: Product Carbon Footprints (PCF), allokierte Scope-1/2-Daten.

Schritt 4: Berechnungsmethode auswählen

Die Technical Guidance des GHG Protocol nennt für die meisten Kategorien mehrere Methoden und ordnet sie nach Spezifität – von den tatsächlichen Aktivitäten des Unternehmens bis zu Branchendurchschnitten. Unternehmen wählen je Aktivität nach Größe der Emissionen, Geschäftszielen, Datenverfügbarkeit, Datenqualität und Aufwand. Innerhalb einer Kategorie dürfen unterschiedliche Methoden kombiniert werden.

Spend-based Method (ausgabenbasiert)

Die Spend-based Method multipliziert Ausgaben für Güter oder Dienstleistungen mit Emissionsfaktoren pro Geldeinheit. Die Faktoren stammen aus umweltökonomischen Input-Output-Modellen (EEIO), die nationale Emissionen über Wirtschaftsverflechtungen auf Produktgruppen verteilen. Die Guidance sieht die Methode unter anderem für die Kategorien 1, 2, 4, 6 und 9 vor. Vorteile: vollständige Abdeckung, geringer Aufwand, vorhandene Buchhaltungsdaten. Nachteile: Branchendurchschnitte, Preisabhängigkeit und kaum sichtbare Reduktionserfolge.

Ausgaben (€) × Emissionsfaktor (kg CO₂e/€) = kg CO₂e

Average-data Method (durchschnittsdatenbasiert)

Die Average-data Method multipliziert physische Mengen – Kilogramm, Stück, Kilowattstunden – mit durchschnittlichen Emissionsfaktoren aus Prozess- bzw. Lebenszyklusdatenbanken. Sie ist für Kategorie 1 und 2 (dort „average-product method“), für Kategorie 3, 5, 7, 8, 10 und weitere vorgesehen. Sie bildet Mengenänderungen ab, bleibt aber lieferantenunabhängig.

Menge (kg) × Emissionsfaktor (kg CO₂e/kg) = kg CO₂e

Activity-based Method (aktivitätsbasiert)

„Activity-based“ ist ein in der Praxis verbreiteter Sammelbegriff, kein einzelner Methodenname der GHG-Guidance. Gemeint sind Methoden, die mit physischen Aktivitätsdaten rechnen. Die Guidance benennt sie kategorienspezifisch: distance-based und fuel-based für Transport, Geschäftsreisen und Pendeln, waste-type-specific für Abfall, asset-specific für geleaste Anlagen oder die Methoden der direkten Nutzungsphase für Kategorie 11. Wer „activity-based“ schreibt, sollte in der Dokumentation die konkrete Methode nennen.

Tonnenkilometer (tkm) × Emissionsfaktor (kg CO₂e/tkm) = kg CO₂e

Supplier-specific Method (lieferantenspezifisch)

Die Supplier-specific Method nutzt produktbezogene Cradle-to-gate-Emissionsdaten des Lieferanten, etwa einen Product Carbon Footprint nach dem GHG Protocol Product Standard oder ISO 14067. Die Guidance empfiehlt, beim Lieferanten zusätzlich die Methodik, die Datenquellen, einen etwaigen Prüfvermerk und den Anteil der Primärdaten abzufragen und möglichst Daten für denselben Zeitraum wie die eigene Bilanz zu verwenden.

Eingekaufte Menge (kg) × PCF des Lieferanten (kg CO₂e/kg) = kg CO₂e

Hybrid Method

Die Hybrid Method kombiniert Lieferantendaten mit Sekundärdaten. Sie ist in der Guidance für die Kategorien 1 und 2 beschrieben: Der Lieferant liefert seine auf das Produkt allokierten Scope-1- und Scope-2-Emissionen, ggf. Materialeinsatz, Transportdistanzen und Abfall; die übrigen Vorkettenemissionen werden mit Durchschnittsfaktoren ergänzt. Wichtig: Die Sekundärfaktoren müssen so zerlegt sein, dass der durch Lieferantendaten ersetzte Teil nicht doppelt gezählt wird.

Welche Methode für welche Kategorie? (GHG-Protocol-Guidance)

Kat. Kategorie Methoden laut Technical Guidance (nach Spezifität)
1Eingekaufte Waren und DienstleistungenSupplier-specific · Hybrid · Average-data · Spend-based
2KapitalgüterSupplier-specific · Hybrid · Average-product · Average spend-based
3Brennstoff- und energiebezogene AktivitätenSupplier-specific · Average-data (je Teilaktivität: Vorkette Brennstoffe, Vorkette Strom, Netzverluste, weiterverkaufte Energie)
4Vorgelagerter Transport und DistributionFuel-based · Distance-based · Spend-based; für Lager: Site-specific · Average-data
5Abfall aus dem BetriebSupplier-specific · Waste-type-specific · Average-data
6GeschäftsreisenFuel-based · Distance-based · Spend-based
7Pendeln der MitarbeitendenFuel-based · Distance-based · Average-data
8Vorgelagerte geleaste SachanlagenAsset-specific · Lessor-specific · Average-data
9Nachgelagerter Transport und DistributionAnalog zu Kategorie 4 (inkl. Site-specific/Average-data für Lager und Handel)
10Verarbeitung verkaufter ProdukteSite-specific · Average-data
11Nutzung verkaufter ProdukteDirekte Nutzungsphase (Produkte mit Energieverbrauch, Brennstoffe, Produkte mit THG); indirekte Nutzungsphase optional
12Lebensende verkaufter ProdukteWaste-type-specific
13Nachgelagerte geleaste SachanlagenAsset-specific · Lessor-specific · Average-data
14FranchisesFranchise-specific · Average-data
15InvestitionenInvestment-specific · Average-data (für Finanzinstitute zusätzlich branchenspezifische Ansätze)

Methodenvergleich

Methode Benötigte Daten Spezifität/Datenqualität Aufwand Geeignet für
Spend-basedAusgaben je Warengruppe, EEIO-FaktorenNiedrig: Branchendurchschnitt, preisabhängigGeringScreening, nachrangige Positionen, Dienstleistungen
Average-dataMengen/Gewichte, DurchschnittsfaktorenMittel: mengenbezogen, lieferantenunabhängigMittelMaterialien mit Mengendaten, Abfall, Energievorkette, Pendeln
Activity-based (distanz-, kraftstoff-, abfallartspezifisch …)Distanzen, Kraftstoffe, Abfallarten, NutzungsdatenMittel bis hoch: bildet reale Aktivität abMittelTransport, Reisen, Pendeln, Abfall, Nutzungsphase
Supplier-specificPCF bzw. produktbezogene Cradle-to-gate-DatenHoch spezifisch; Genauigkeit abhängig von Methodik und Allokation des LieferantenHochTop-Lieferanten und strategische Materialien
HybridAllokierte Scope-1/2-Daten des Lieferanten + SekundärdatenMittel bis hoch; abhängig vom Anteil PrimärdatenMittel bis hochWichtige Lieferanten ohne vollständigen PCF

Spezifität ist nicht gleich Genauigkeit

Die GHG-Guidance weist ausdrücklich darauf hin, dass Lieferantendaten weniger genau sein können als Branchendurchschnitte (Box 1.1). Entscheidend sind die Granularität der Daten, die Verlässlichkeit der Quellen und die Allokation der Lieferantenemissionen auf das eingekaufte Produkt. Methodenwahl und Datenqualität müssen daher gemeinsam bewertet werden.

Schritt 5: Passende Emissionsfaktoren auswählen

Ein Emissionsfaktor rechnet Aktivitätsdaten in Emissionen um, etwa kg CO₂e pro Liter Diesel, pro Kilogramm Stahl, pro Tonnenkilometer oder pro Euro Ausgabe.

Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor = THG-Emissionen in CO₂e

Für ein belastbares Ergebnis müssen Aktivitätsdaten und Faktor in vier Punkten zusammenpassen:

  • Einheit: Ein Faktor in kg CO₂e/tkm braucht Tonnenkilometer, nicht Fahrzeugkilometer. Ein Faktor pro Kilowattstunde braucht kWh, nicht m³ Erdgas ohne Umrechnung.
  • Systemgrenze: Für Kategorie 1 und 2 sind Cradle-to-gate-Faktoren vorgesehen. Für Kategorie 3 braucht es Vorkettenfaktoren ohne Verbrennungsemissionen, weil die Verbrennung bereits in Scope 1 bzw. 2 steckt.
  • Zeit und Geldwert: EEIO-Faktoren beziehen sich auf ein Preisbasisjahr und oft eine Fremdwährung. Die Guidance empfiehlt, Ausgaben inflations- und ggf. währungsbereinigt auf das Faktorjahr umzurechnen.
  • Region und Technologie: Ein Strommix-Faktor für Deutschland passt nicht für ein Werk in Polen; ein Faktor für Primäraluminium nicht für Rezyklat.

Die GHG-Guidance empfiehlt, Sekundärdatenbanken zu bevorzugen, die international anerkannt, staatlich bereitgestellt oder begutachtet sind, und sie nach technologischer, zeitlicher und geografischer Repräsentativität, Vollständigkeit und Verlässlichkeit zu prüfen.

Quelle Typ Region Eignung
UBA-EmissionsfaktorenlisteStaatlich, kostenfrei, regelmäßig fortgeschrieben (seit 2025)DeutschlandSchwerpunkt Scope 1 und 2 (Brennstoffe, Strom, Fernwärme), dazu Verkehr, Prozesse, Kältemittel und einzelne Scope-3-Faktoren
UK Government GHG Conversion FactorsStaatlich, kostenfrei, jährlichVereinigtes KönigreichInternational verbreitet für Reisen und Transport; bei Nutzung in Deutschland Übertragbarkeit (z. B. Fahrzeugflotte, Strommix) prüfen
EXIOBASE 3Multiregionales EEIO-Modell, Forschungskonsortium44 Länder + 5 WeltregionenAusgabenbasierte Faktoren für Screening und Spend-based-Berechnung
ecoinventKommerzielle Lebenszyklus-(Prozess-)DatenbankGlobal, regionalisiertAverage-data für Materialien und Prozesse, Grundlage vieler PCF-Studien
Lieferanten-PCFPrimärdatenLieferantenspezifischSupplier-specific Method; Methodik, Systemgrenze und Prüfung abfragen

Schritt 6: Scope-3-Emissionen berechnen

Die Rechnung selbst ist eine Multiplikation je Aktivität, die anschließend je Kategorie summiert und in Tonnen CO₂e umgerechnet wird.

Rechenbeispiel Kategorie 4 – alle Werte sind illustrative Beispielwerte

Eine Spedition liefert 20 t Stahlblech über 500 km per Lkw an.

Aktivitätsdaten: 20 t × 500 km = 10.000 tkm

Beispielfaktor: 0,10 kg CO₂e/tkm (illustrativ, kein Referenzwert)

Ergebnis: 10.000 tkm × 0,10 kg CO₂e/tkm = 1.000 kg CO₂e = 1,0 t CO₂e

Für die echte Bilanz wird ein Faktor passend zu Fahrzeugklasse, Auslastung und Region verwendet und mit Quelle und Bezugsjahr dokumentiert.

Schritt 7: Ergebnisse prüfen und dokumentieren

Der Scope 3 Standard verlangt unter anderem, je Kategorie die verwendete Methodik, Art und Quellen der Aktivitätsdaten und Emissionsfaktoren, die Datenqualität, die Quelle der GWP-Werte sowie begründete Ausschlüsse offenzulegen. In der Praxis bewährt sich eine Checkliste:

  • Datenquellen: System, Exportdatum, verantwortliche Person, Umfang (z. B. „alle Kreditoren 2025, Sachkonten 3000–3999“).
  • Methode je Kategorie und Aktivität: konkret benannt, z. B. „distance-based, Lkw > 32 t“.
  • Emissionsfaktoren: Datenbank, Version, Bezugsjahr, Region, Einheit, Systemgrenze.
  • Annahmen: Hochrechnungen, Stichproben, Allokationen, Umrechnungen (Währung, Inflation, Dichte).
  • Datenlücken und Datenqualität: Anteil Primär- vs. Sekundärdaten je Kategorie; Bereiche mit hoher Unsicherheit.
  • Plausibilisierung: Vergleich mit Vorjahr, Screening-Ergebnis und Branchenwerten; Ausreißer erklären.
  • Methodenänderungen: Änderungen protokollieren; bei wesentlichen Auswirkungen Basisjahr neu berechnen.

Beispiel: Scope 3 für ein mittelständisches Unternehmen berechnen

Das folgende Beispiel zeigt, wie aus typischen Unternehmensdaten eine Scope-3-Bilanz entsteht. Die fiktive Muster Metallbau GmbH fertigt Stahl- und Aluminiumkonstruktionen, hat 180 Beschäftigte und einen Standort. Berichtsjahr ist 2025.

Hinweis: Alle Mengen und Emissionsfaktoren sind illustrative Beispielwerte zur Veranschaulichung der Rechenlogik. Sie sind keine Referenzwerte und nicht für eine echte Bilanz zu verwenden.

Alle Mengen und Emissionsfaktoren sind illustrative Beispielwerte, keine Referenzwerte.
Aktivität Kat. Aktivitätsdaten Methode Beispielfaktor Ergebnis
Stahlprofile und -bleche1400.000 kgAverage-data2,0 kg CO₂e/kg800,0 t
Aluminiumprofile (Lieferant mit PCF)150.000 kgSupplier-specific6,5 kg CO₂e/kg325,0 t
IT-, Beratungs- und Reinigungsleistungen1600.000 €Spend-based0,15 kg CO₂e/€90,0 t
Neue CNC-Maschine2450.000 €Average spend-based0,35 kg CO₂e/€157,5 t
Vorkette Strom31.200.000 kWhAverage-data0,06 kg CO₂e/kWh72,0 t
Vorkette Erdgas3900.000 kWhAverage-data0,04 kg CO₂e/kWh36,0 t
Anlieferung per Lkw41.800 t × 350 km = 630.000 tkmDistance-based0,10 kg CO₂e/tkm63,0 t
Gewerbeabfall zur Verbrennung560.000 kgWaste-type-specific0,40 kg CO₂e/kg24,0 t
Metallschrott zum Recycling5120.000 kgWaste-type-specific0,02 kg CO₂e/kg2,4 t
Flugreisen6180.000 PkmDistance-based0,20 kg CO₂e/Pkm36,0 t
Bahnreisen660.000 PkmDistance-based0,03 kg CO₂e/Pkm1,8 t
Pendeln Pkw (120 MA, 36 km/Tag, 200 Tage)7864.000 kmDistance-based0,17 kg CO₂e/km146,9 t
Pendeln ÖPNV (40 MA, 36 km/Tag, 200 Tage)7288.000 PkmDistance-based0,06 kg CO₂e/Pkm17,3 t
Summe Scope 3 (Beispiel)1.771,9 t
Kategorie Ergebnis (t CO₂e) Anteil
1 – Eingekaufte Waren und Dienstleistungen1.215,068,6 %
7 – Pendeln164,29,3 %
2 – Kapitalgüter157,58,9 %
3 – Brennstoff- und energiebezogene Aktivitäten108,06,1 %
4 – Vorgelagerter Transport63,03,6 %
6 – Geschäftsreisen37,82,1 %
5 – Abfall26,41,5 %
Gesamt1.771,9100 %

Was das Beispiel zeigt:

  • Kategorie 1 dominiert. Hier liegt der größte Hebel für bessere Daten – und für Reduktion, etwa über Stahl mit höherem Recyclinganteil.
  • Kategorie 2 schwankt. Die CNC-Maschine wird vollständig im Anschaffungsjahr bilanziert. Im Bericht sollte darauf hingewiesen werden, dass der Wert einmalig ist.
  • Pendeln ist größer als erwartet. Die Hochrechnung beruht auf einer Befragung; bei geringer Rücklaufquote sollte die Hochrechnung dokumentiert werden.
  • Datenqualität variiert. Rund 86 % der Beispielbilanz beruhen auf mengen-, aktivitäts- oder lieferantenbezogenen Daten. Die rund 14 % aus der Spend-based-Methode (Dienstleistungen, Kapitalgut) sind mit höherer Unsicherheit behaftet.
  • Nachgelagerte Kategorien wurden im Screening geprüft: Kategorie 9 (Kunden holen ab) und 12 (Stahl- und Aluminiumkonstruktionen mit hoher Verwertungsquote) wurden vereinfacht geschätzt bzw. mit Begründung als geringfügig eingestuft – in einer echten Bilanz gehört diese Begründung in die Dokumentation.

Spend-based vs. Activity-based: Welche Methode ist besser?

Keine Methode ist grundsätzlich besser. Die Spend-based Method eignet sich für das Screening und für Positionen, zu denen keine Mengendaten vorliegen. Mengen-, aktivitäts- und lieferantenbezogene Daten bilden die tatsächliche Emissionsquelle genauer ab, erfordern aber mehr Daten und Aufwand. Die GHG-Guidance empfiehlt, spezifischere Methoden auf die größten Emissionsquellen zu konzentrieren und für kleine Positionen einfachere Methoden zu nutzen.

Der Unterschied wird an einem Einkauf sichtbar. Angenommen, die Muster Metallbau GmbH kauft die 400 t Stahl für 360.000 € ein (illustrative Beispielwerte):

400 t Stahl für 360.000 € – illustrative Beispielwerte.
Methode Rechnung Ergebnis
Spend-based360.000 € × 1,5 kg CO₂e/€ (Beispielfaktor)540 t CO₂e
Average-data400.000 kg × 2,0 kg CO₂e/kg (Beispielfaktor)800 t CO₂e

Die Abweichung entsteht, weil der EEIO-Faktor einen Branchendurchschnittspreis unterstellt. Steigen die Stahlpreise um 20 % bei gleicher Menge, steigt das Spend-based-Ergebnis ebenfalls um 20 % – obwohl sich physisch nichts geändert hat. Umgekehrt würde ein günstigerer, aber emissionsintensiverer Lieferant als Reduktion erscheinen. Für Hotspots und für die Steuerung von Reduktionszielen ist die Spend-based Method deshalb nur begrenzt aussagekräftig.

Entwicklungspfad für die Datenqualität

Stufe Vorgehen Ergebnis
1. ScreeningAlle Kategorien mit Ausgabendaten und Durchschnittsfaktoren abschätzenÜberblick über Größenordnungen und Hotspots
2. PriorisierungKriterien Größe, Einfluss, Risiko, Stakeholder anwendenListe der Kategorien und Lieferanten für vertiefte Berechnung
3. Bessere AktivitätsdatenMengen aus Materialstamm, Tonnenkilometer von Speditionen, Reisedaten, BefragungenMengenbezogene, steuerbare Bilanz für die wichtigsten Kategorien
4. LieferantendatenPCF oder allokierte Scope-1/2-Daten von Top-Lieferanten anfragen (Supplier-specific/Hybrid)Lieferantenunterschiede und Reduktionen werden sichtbar

Scope 3.1 – Eingekaufte Waren und Dienstleistungen berechnen

Scope 3.1 erfasst alle Cradle-to-gate-Emissionen eingekaufter Waren und Dienstleistungen, die nicht in den Kategorien 2 bis 8 enthalten sind. Für viele produzierende und handelnde Unternehmen ist Kategorie 1 die größte Scope-3-Kategorie, weil die Emissionen von Rohstoffgewinnung und Vorproduktion in eingekauften Materialien stecken. Die GHG-Guidance empfiehlt, zwischen produktionsbezogenen Einkäufen (Materialien, Bauteile) und nicht produktionsbezogenen Einkäufen (Büromaterial, IT-Support) zu unterscheiden, weil das oft der Einkaufsorganisation entspricht.

Welche Daten für Scope 3.1 genutzt werden

  • Kreditorenbuchhaltung und Sachkonten: Ausgaben je Lieferant und Warengruppe – Basis für die Spend-based Method.
  • Einkaufs- und Bestelldaten aus dem ERP: Mengen, Einheiten, Lieferanten.
  • Materialstamm und Stücklisten: Gewichte und Materialarten – Basis für die Average-data Method.
  • Lieferantenangaben: PCF oder allokierte Scope-1/2-Emissionen – Basis für Supplier-specific und Hybrid.

Methodenwahl nach dem Entscheidungsbaum der GHG-Guidance

  1. Trägt das eingekaufte Gut laut Screening wesentlich zu Scope 3 bei oder ist Lieferanteneinbindung ein Geschäftsziel? Wenn nein: Average-data (bei Mengendaten) oder Spend-based.
  2. Wenn ja: Kann der Tier-1-Lieferant produktbezogene Cradle-to-gate-Daten in ausreichender Qualität liefern? Dann Supplier-specific.
  3. Wenn nicht: Kann der Lieferant allokierte Scope-1/2-Daten liefern? Dann Hybrid.
  4. Sonst: Average-data, wenn physische Mengen vorliegen, andernfalls Spend-based.

Kleines Beispiel Scope 3.1 – illustrative Beispielwerte

Stahlblech, Lieferant A mit PCF: 120.000 kg × 1,8 kg CO₂e/kg = 216,0 t (Supplier-specific)

Normteile und Schrauben aus Materialstamm: 8.000 kg × 3,0 kg CO₂e/kg = 24,0 t (Average-data)

Wartungs- und IT-Dienstleistungen: 150.000 € × 0,12 kg CO₂e/€ = 18,0 t (Spend-based)

Summe Kategorie 1 im Beispiel: 258,0 t CO₂e – drei Methoden in einer Kategorie, wie es die Guidance ausdrücklich zulässt.

Typische Stolpersteine bei Scope 3.1

  • Positionen anderer Kategorien aus den Kreditorendaten herausfiltern: Energie (Scope 2 bzw. Kategorie 3), Frachtkosten (Kategorie 4), Reisekosten (Kategorie 6), aktivierte Investitionen (Kategorie 2).
  • Nettobeträge ohne Umsatzsteuer verwenden; konzerninterne Verrechnungen und Gutschriften bereinigen.
  • Bei PCF prüfen, ob der Transport zum eigenen Standort enthalten ist – sonst droht Doppelzählung mit Kategorie 4.

Was tun, wenn Scope-3-Daten fehlen?

Fehlende Daten sind kein Grund, eine relevante Kategorie wegzulassen. Die GHG-Guidance erlaubt ausdrücklich Sekundärdaten, Proxy-Daten, Hochrechnungen und Stichproben, verlangt aber eine transparente Beschreibung der Datenqualität. Sie rechnet damit, dass Unternehmen in den ersten Jahren Daten geringerer Qualität verwenden und diese schrittweise ersetzen – vorrangig dort, wo die Datenqualität niedrig und die Emissionen hoch sind.

Ansatz Wann sinnvoll Beispiel
Spend-based-ScreeningErste Bilanz, viele kleine PositionenKreditorenliste × EEIO-Faktoren je Warengruppe
Durchschnittsdaten / BranchenwerteMengen bekannt, Lieferantendaten fehlenMaterialgewicht × Durchschnittsfaktor aus Lebenszyklusdatenbank
Proxy-DatenDaten ähnlicher Aktivitäten verfügbarFaktor eines vergleichbaren Kunststoffs, wenn der exakte Typ fehlt – als Annahme dokumentieren
HochrechnungDaten für einen Teil liegen vorDaten für 80 von 100 Standorten → Intensität je Standorttyp auf die übrigen übertragen (Beispiel aus der GHG-Guidance)
StichprobeVollerhebung unverhältnismäßigPendelbefragung mit repräsentativem Rücklauf, hochgerechnet auf die Belegschaft
Schätzung mit AnnahmenKeine direkten DatenLebensdauer und Nutzungsprofil verkaufter Maschinen aus technischen Datenblättern
LieferantenbefragungWesentliche Lieferanten, Einfluss vorhandenPCF inkl. Methodik, Datenquellen, Prüfvermerk und Anteil Primärdaten abfragen

Zur Bewertung der Datenqualität nennt der Scope 3 Standard fünf Indikatoren: technologische, zeitliche und geografische Repräsentativität sowie Vollständigkeit und Verlässlichkeit. Wer diese je Kategorie kurz bewertet, schafft eine nachvollziehbare Grundlage für die Verbesserung im nächsten Zyklus. Auch die überarbeiteten ESRS stellen laut Analysen von Prüfungsgesellschaften Primärdaten und Schätzungen aus Sekundärquellen bei der Wertschöpfungsketten-Datenerhebung gleichrangig nebeneinander.

Welche Daten braucht man für die Scope-3-Berechnung?

Für die Scope-3-Berechnung braucht es Daten aus nahezu allen Unternehmensbereichen. Die folgende Übersicht zeigt je Kategorie typische Aktivitätsdaten und wo sie im Unternehmen liegen.

Scope-3-Bereich Typische Aktivitätsdaten Datenquelle im Unternehmen Zuständig
1 Eingekaufte Waren und DienstleistungenAusgaben, Mengen, Gewichte, PCFERP, Kreditorenbuchhaltung, Materialstamm, LieferantenEinkauf, Controlling
2 KapitalgüterAnschaffungswerte, Art der AnlageAnlagenbuchhaltungFinanzbuchhaltung
3 Brennstoff- und EnergievorkettekWh Strom, Gas, Liter KraftstoffEnergieabrechnungen, Scope-1/2-DatenFacility, Energiemanagement
4 Vorgelagerter TransportGewicht, Distanz, Verkehrsträger, FrachtkostenSpeditionsdaten, Logistiksoftware, FrachtrechnungenLogistik
5 AbfallMengen je Abfallart und BehandlungswegEntsorgernachweise, WiegescheineFacility, Umweltmanagement
6 GeschäftsreisenStrecken, Verkehrsmittel, Klasse, ÜbernachtungenReisekostenmanagement, ReisebüroHR, Buchhaltung
7 PendelnDistanz, Verkehrsmittel, PräsenztageMitarbeiterbefragungHR
8/13 Geleaste AnlagenEnergieverbrauch, FlächeMietverträge, NebenkostenabrechnungenFacility, Legal
9 Nachgelagerter TransportAbsatzmengen, LieferdistanzenVertrieb, VersanddatenVertrieb, Logistik
10–12 Verkaufte ProdukteStückzahlen, Energieverbrauch, Lebensdauer, MaterialienProduktdaten, technische Datenblätter, AbsatzstatistikProduktmanagement, Entwicklung
14/15 Franchises, InvestitionenEmissionen bzw. Kennzahlen der BeteiligungenBeteiligungscontrollingFinanzen

Die Tabelle zeigt, warum Scope 3 organisatorisch anspruchsvoll ist: Die Daten liegen verteilt bei sechs bis acht Verantwortlichen, in unterschiedlichen Systemen und Einheiten.

Scope 3 mit Excel oder Software berechnen?

Excel funktioniert für eine erste Scope-3-Bilanz mit wenigen Standorten, überschaubaren Datenquellen und überwiegend ausgabenbasierten Methoden. Sobald Bilanzen jährlich wiederholt, viele Verantwortliche eingebunden, Lieferantendaten integriert oder Ergebnisse extern geprüft werden, steigt der manuelle Aufwand für Faktorpflege, Versionierung und Nachvollziehbarkeit deutlich.

Kriterium Excel reicht oft Software wird sinnvoll
DatenumfangWenige hundert Buchungszeilen, ein StandortViele Standorte, tausende Positionen, mehrere Gesellschaften
BilanzierungsrhythmusEinmalige ErstbilanzJährliche Wiederholung mit Vorjahresvergleich
EmissionsquellenWenige Kategorien, eine MethodeViele Kategorien, Methodenmix je Aktivität
BeteiligteEine PersonEinkauf, Logistik, HR, Facility, Standorte
LieferantendatenKeine oder wenige PCFSystematische Lieferantenabfragen
EmissionsfaktorenWenige, manuell recherchiertViele Faktoren mit regelmäßigen Updates
NachvollziehbarkeitInterne NutzungExterne Prüfung, CSRD/VSME, Kundenanfragen

Einen Überblick über Anbieter bietet der Scope-3-Software-Vergleich sowie der Vergleich von CO₂-Bilanz-Software.

Scope-3-Emissionen mit cubemos berechnen

Das mathematische Prinzip hinter Scope 3 ist einfach. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, Daten aus Einkauf, Buchhaltung, Logistik, HR und Standorten zusammenzuführen, passende Methoden und Emissionsfaktoren zuzuordnen und die Berechnung Jahr für Jahr nachvollziehbar zu dokumentieren. Genau diese Schritte strukturiert die CO₂-Bilanzierungssoftware von cubemos.

Prozess Ablauf
ManuellERP/Excel-Export → Daten per E-Mail einsammeln → Emissionsfaktoren recherchieren → Faktoren zuordnen → Berechnung in Tabellen → Dokumentation separat pflegen
Mit cubemosUnternehmensdaten (Excel-Upload, REST-API, Eingabe) → Zuordnung zu Emissionsquellen → Emissionsfaktor-Vorschlag → Berechnung → zentrale Dokumentation und Report

Laut Produktbeschreibung unterstützt cubemos dabei konkret:

  • Scopes und Emissionsquellen per Vorlage: Scope 1, 2 und 3 sowie Emissionsquellen werden dem Treibhausgas-Inventar per Klick hinzugefügt; erfasst werden Aktivitäten, Mengen oder Ausgaben.
  • Dezentrale Datenerfassung: Datenanfragen gehen mit Frist und Kontext direkt an die Verantwortlichen im Fuhrpark, Einkauf oder an den Standorten.
  • Excel-Import und Schnittstelle: Strukturierte Verbrauchs- und Ausgabendaten werden per Excel hochgeladen und automatisch auf Emissionsquellen gemappt; Daten aus Buchhaltungs-, ERP- oder Fuhrparksystemen können per REST-API übernommen werden.
  • Emissionsfaktor-Zuordnung: Ein KI-Agent durchsucht eine Datenbank mit über 300.000 Emissionsfaktoren und schlägt je Aktivität oder Ausgabe einen passenden, quellenbelegten Faktor vor, der prüfbar bleibt.
  • Hotspots und Standortvergleich: Emissionen lassen sich nach Scope, Standort oder Sparte auswerten.
  • Dokumentation und Report: Audit Trails und Belege werden zentral gespeichert; der Bericht nach GHG Protocol wird automatisch erstellt.
  • Eine Datenbasis für mehrere Anforderungen: Die erfassten Emissionsdaten lassen sich für CSRD, EU-Taxonomie und weitere Module der Plattform weiterverwenden.

Scope 1–3 mit cubemos berechnen

Sie möchten Ihre Scope-3-Bilanz aus vorhandenen Einkaufs-, Buchhaltungs- und Logistikdaten aufbauen und jedes Jahr mit weniger Aufwand aktualisieren? In einer Demo zeigen wir Ihnen, wie cubemos Daten einsammelt, Emissionsfaktoren zuordnet und die Berechnung nachvollziehbar dokumentiert.

Häufige Fehler bei der Scope-3-Berechnung

Fehler Folge Gegenmaßnahme
Kategorien übersehenUnvollständige Bilanz, z. B. fehlende Kategorie 3 oder 11Alle 15 Kategorien screenen, Ausschlüsse begründen
Bilanzgrenzen unklarLeasing oder Beteiligungen doppelt oder gar nicht erfasstKonsolidierungsansatz festlegen, konsistent mit Scope 1/2
Falsche EinheitenFaktor pro tkm mit Fahrzeug-km multipliziertEinheit von Aktivitätsdaten und Faktor prüfen
Ungeeignete EmissionsfaktorenLebenszyklusfaktor in Kategorie 3 oder Faktor falscher RegionSystemgrenze, Region, Technologie des Faktors prüfen
Unterschiedliche BezugsjahreEEIO-Faktor auf Basis alter Preise ohne InflationsbereinigungAusgaben auf das Preisbasisjahr des Faktors umrechnen
Doppelzählung im InventarFracht in PCF und in Kategorie 4; Maschine in Kategorie 1 und 2Systemgrenzen der PCF abfragen, Buchungslogik abgrenzen
Fehlende DokumentationBilanz im Folgejahr nicht reproduzierbar, Prüfung erschwertQuellen, Faktoren, Annahmen je Position festhalten
Spend-based als präzise behandelnPreisänderungen erscheinen als EmissionsänderungenUnsicherheit kennzeichnen, Hotspots mit Mengendaten rechnen
Methodenwechsel nicht dokumentiertScheinbare Reduktion oder ZunahmeÄnderungen protokollieren, Basisjahr ggf. neu berechnen
Datenqualität nicht offengelegtMissverständnisse bei Kunden, Banken, PrüfernAnteil Primär- und Sekundärdaten je Kategorie ausweisen

FAQ zur Scope-3-Berechnung

Wie berechnet man Scope-3-Emissionen?

Scope-3-Emissionen werden je Kategorie berechnet, indem Aktivitätsdaten mit passenden Emissionsfaktoren multipliziert werden: Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor = kg CO₂e. Zuerst legen Unternehmen Bilanzgrenzen fest und bestimmen per Screening die relevanten der 15 GHG-Protocol-Kategorien. Dann wählen sie je Kategorie eine Methode – etwa ausgabenbasiert, durchschnittsdatenbasiert oder lieferantenspezifisch –, rechnen, summieren und dokumentieren Datenquellen und Annahmen.

Welche Daten braucht man für Scope 3?

Benötigt werden Einkaufsvolumen und Mengen aus ERP und Kreditorenbuchhaltung, Anlagenzugänge, Energieverbräuche, Transportmengen und -distanzen von Speditionen, Abfallmengen vom Entsorger, Reisedaten aus dem Reisekostensystem, Pendeldaten aus Mitarbeiterbefragungen sowie Absatz- und Produktdaten für nachgelagerte Kategorien. Dazu kommen passende Emissionsfaktoren und, wo verfügbar, Lieferantendaten wie Product Carbon Footprints.

Was gehört alles zu Scope 3?

Zu Scope 3 gehören alle indirekten Emissionen der Wertschöpfungskette, die nicht in Scope 1 oder 2 erfasst sind. Vorgelagert sind das eingekaufte Waren und Dienstleistungen, Kapitalgüter, Energievorketten, Transporte, Abfall, Geschäftsreisen, Pendeln und geleaste Anlagen. Nachgelagert zählen Transport zu Kunden, Weiterverarbeitung, Nutzung und Entsorgung verkaufter Produkte, vermietete Anlagen, Franchises und Investitionen dazu.

Welche 15 Scope-3-Kategorien gibt es?

Das GHG Protocol definiert acht vorgelagerte Kategorien: (1) eingekaufte Waren und Dienstleistungen, (2) Kapitalgüter, (3) brennstoff- und energiebezogene Aktivitäten, (4) vorgelagerter Transport, (5) Abfall, (6) Geschäftsreisen, (7) Pendeln, (8) vorgelagerte geleaste Anlagen. Hinzu kommen sieben nachgelagerte: (9) nachgelagerter Transport, (10) Verarbeitung, (11) Nutzung und (12) Lebensende verkaufter Produkte, (13) nachgelagerte geleaste Anlagen, (14) Franchises, (15) Investitionen.

Muss Scope 3 berechnet werden?

Eine allgemeine gesetzliche Pflicht für alle Unternehmen gibt es nicht. Nach der durch Richtlinie (EU) 2026/470 geänderten CSRD sind ab Geschäftsjahr 2027 nur Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und über 450 Mio. € Umsatz berichtspflichtig; ist Klimawandel wesentlich, verlangt ESRS E1 Scope-3-Angaben. Das GHG Protocol ist ein freiwilliger Standard. In der Praxis fordern Kunden und Banken Scope-3-Daten oft auch von Mittelständlern.

Welche Emissionsfaktoren verwendet man für Scope 3?

Das hängt von Kategorie und Methode ab. Für ausgabenbasierte Rechnungen dienen EEIO-Faktoren in kg CO₂e pro Euro, etwa aus EXIOBASE. Für mengen- und aktivitätsbasierte Rechnungen werden Prozess- und Lebenszyklusfaktoren genutzt, z. B. aus der UBA-Emissionsfaktorenliste, den UK Government Conversion Factors oder ecoinvent. Am spezifischsten sind Lieferantendaten wie PCF. Quelle, Bezugsjahr und Region jedes Faktors werden dokumentiert.

Kann man Scope 3 mit Ausgabendaten berechnen?

Ja. Die GHG-Protocol-Guidance sieht die ausgabenbasierte Methode ausdrücklich vor, unter anderem für eingekaufte Waren und Dienstleistungen, Kapitalgüter, Transporte und Geschäftsreisen. Ausgaben werden mit EEIO-Faktoren in kg CO₂e pro Geldeinheit multipliziert. Die Methode eignet sich besonders für das Screening und nachrangige Positionen; für Emissions-Hotspots sollten schrittweise mengen- oder lieferantenbezogene Daten folgen.

Was ist die Spend-based Method?

Die Spend-based Method (ausgabenbasierte Methode) schätzt Emissionen aus dem Geldwert eingekaufter Güter oder Dienstleistungen: Ausgaben (€) × Emissionsfaktor (kg CO₂e/€). Die Faktoren stammen aus umweltökonomischen Input-Output-Modellen (EEIO) und bilden Branchendurchschnitte ab. Die Methode ist schnell und nutzt vorhandene Buchhaltungsdaten, reagiert aber auf Preisänderungen und bildet Unterschiede zwischen Lieferanten nicht ab.

Was ist der Unterschied zwischen Scope 1, 2 und 3?

Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen, etwa Heizkessel oder Firmenfahrzeuge. Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus der Erzeugung eingekaufter Energie wie Strom oder Fernwärme. Scope 3 umfasst alle übrigen indirekten Emissionen der Wertschöpfungskette – von der Rohstoffgewinnung bei Lieferanten bis zur Nutzung und Entsorgung verkaufter Produkte.

Kann Scope 3 mit Excel berechnet werden?

Ja, für eine erste Bilanz mit wenigen Standorten, überschaubaren Datenquellen und überwiegend ausgabenbasierten Methoden kann Excel ausreichen. Mit wachsender Zahl an Kategorien, Lieferantendaten, Verantwortlichen und jährlichen Wiederholungen steigen Fehler- und Dokumentationsrisiken: Faktor-Updates, Versionsstände, Einheitenprüfungen und Prüfpfade lassen sich in Tabellen nur mit hohem manuellem Aufwand nachvollziehbar halten.

Wie kann Software Scope 3 berechnen?

Software übernimmt die wiederkehrenden Schritte: Sie importiert Ausgaben- und Mengendaten aus ERP, Buchhaltung oder Excel, ordnet sie Scope-3-Kategorien und passenden Emissionsfaktoren zu, berechnet CO₂e, verteilt Datenanfragen an Verantwortliche und protokolliert Quellen, Annahmen und Änderungen. So entsteht eine nachvollziehbare Bilanz, die sich jährlich aktualisieren und für CSRD-, VSME- oder Kundenberichte weiterverwenden lässt.

Wie genau ist eine Scope-3-Berechnung?

Scope-3-Ergebnisse sind Schätzungen mit methodenabhängiger Unsicherheit. Ausgabenbasierte Werte beruhen auf Branchendurchschnitten und reagieren auf Preise; mengen- und lieferantenbezogene Werte bilden die tatsächliche Aktivität besser ab. Laut GHG Protocol ist ein spezifischerer Wert aber nicht automatisch genauer. Unternehmen sollten die Datenqualität je Kategorie offenlegen und die größten Emissionsquellen schrittweise mit besseren Daten rechnen.

Wie oft muss man Scope 3 berechnen?

Scope-3-Emissionen werden in der Regel jährlich für das Geschäftsjahr berechnet, passend zu Nachhaltigkeitsbericht, Kundenanfragen oder Klimazielen. Zusätzlich wird ein Basisjahr festgelegt, an dem Reduktionen gemessen werden. Bei wesentlichen Änderungen – Unternehmenskäufe, Methodenwechsel oder deutlich bessere Daten – sieht das GHG Protocol eine Neuberechnung des Basisjahres vor.

Fazit: Die Rechnung ist einfach, die Datenorganisation nicht

Scope 3 zu berechnen heißt: 15 Kategorien screenen, Bilanzgrenzen klären, je Aktivität eine passende Methode wählen und Aktivitätsdaten mit geeigneten Emissionsfaktoren multiplizieren. Ein Einstieg mit Ausgabendaten ist legitim, solange die Unsicherheit transparent bleibt und die größten Emissionsquellen schrittweise mit Mengen- und Lieferantendaten verbessert werden. Der größte Aufwand entsteht bei der Zusammenführung verteilter Daten, der Faktorzuordnung und der Dokumentation – dort setzt eine strukturierte Software an.

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