Reporting

Was ist der VSME-Standard? Einfach erklärt

VSME steht für „Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs“. Es handelt sich um einen freiwilligen, von der EFRAG im Auftrag der Europäischen Kommission entwickelten Nachhaltigkeitsstandard für nicht börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen. Er hilft KMU, strukturierte ESG-Daten bereitzustellen, ohne die vollen ESRS-Anforderungen der CSRD erfüllen zu müssen. Seit der Omnibus-I-Reform (in Kraft seit März 2026) fungiert der VSME zusätzlich als sogenannter Value Chain Cap: eine gesetzliche Obergrenze dafür, welche Nachhaltigkeitsdaten CSRD-pflichtige Großunternehmen von kleineren Zulieferern verlangen dürfen.
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Kaum ein Nachhaltigkeitsthema hat im Mittelstand in den letzten zwei Jahren so schnell an Bedeutung gewonnen wie der VSME-Standard. Was 2023 als kleines Entlastungsprojekt der EU-Kommission begann, ist heute ein zentraler Referenzpunkt für ESG-Kommunikation zwischen Banken, Konzernen und ihren Zulieferern. Der Grund dafür liegt vor allem in der Omnibus-Reform: Mit der Anhebung der CSRD-Schwellenwerte auf Unternehmen mit über 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Millionen Euro Jahresumsatz fallen deutlich weniger Unternehmen unter die verpflichtende Berichterstattung – gleichzeitig bleibt der Bedarf an vergleichbaren ESG-Daten bei Banken, Investoren und Großkunden bestehen.

Der VSME schließt genau diese Lücke: Er bietet Unternehmen, die nicht mehr oder nie unter die CSRD fallen, einen standardisierten, deutlich schlankeren Rahmen für die freiwillige Berichterstattung. Dieser Artikel erklärt verständlich, was der VSME ist, wer ihn entwickelt hat, für wen er sich eignet, wie er aufgebaut ist und wie er sich von CSRD und ESRS unterscheidet.

Was ist der VSME?

Der VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs) ist ein freiwilliger Nachhaltigkeitsberichtsstandard für nicht börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen in der EU. Er wurde von der EFRAG im Auftrag der Europäischen Kommission entwickelt und bietet ein vereinfachtes, modulares Rahmenwerk, mit dem KMU ESG-Daten strukturiert und vergleichbar gegenüber Banken, Kunden und Investoren offenlegen können – ohne die umfangreichen Anforderungen der ESRS erfüllen zu müssen.

Wofür steht die Abkürzung VSME?

VSME steht für „Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs“, zu Deutsch etwa: freiwilliger Nachhaltigkeitsberichtsstandard für nicht börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen. Im Zuge des Rechtsetzungsverfahrens verwendet die Europäische Kommission inzwischen zunehmend den Begriff „Voluntary Standard (VS)“, da der Anwendungsbereich im finalen Entwurf auf alle Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten ausgeweitet wurde und damit über die ursprüngliche KMU-Definition hinausgeht. In der Praxis, in Suchanfragen und in den meisten Fachpublikationen hat sich jedoch weiterhin die Bezeichnung VSME durchgesetzt.

Warum wurde der VSME entwickelt?

Der VSME ist Teil des SME Relief Package, das die Europäische Kommission im September 2023 vorgestellt hat. Auslöser war ein wachsendes strukturelles Problem: Mit der Einführung der CSRD mussten große, berichtspflichtige Unternehmen zunehmend auch Nachhaltigkeitsdaten aus ihrer Lieferkette einholen – oft über uneinheitliche, umfangreiche Fragebögen an ihre KMU-Zulieferer. Für die betroffenen KMU bedeutete das einen erheblichen administrativen Aufwand, ohne dass sie selbst CSRD-pflichtig waren.

Die zentralen Ziele des VSME lassen sich in vier Punkten zusammenfassen:

  • Entlastung von KMU: ein einziger, standardisierter Berichtsrahmen statt vieler individueller Anfragen von Banken, Kunden und Investoren.
  • Freiwilligkeit: Unternehmen entscheiden selbst, ob und in welchem Umfang sie berichten – es gibt keine gesetzliche Berichtspflicht.
  • Zugang zu Finanzierung: strukturierte ESG-Daten erleichtern Kreditvergabe- und Investitionsentscheidungen von Banken und Investoren.
  • Begrenzung des „Trickle-down-Effekts“: der Standard wirkt zugleich als Obergrenze (Value Chain Cap) für Anfragen von CSRD-pflichtigen Unternehmen an ihre kleineren Geschäftspartner.

Wer hat den VSME entwickelt?

Entwickelt wurde der VSME von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) – der fachlichen Beratungsstelle der Europäischen Kommission für Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die EFRAG ist auch für die technische Ausarbeitung der ESRS verantwortlich und bringt damit direkte fachliche Kontinuität zwischen den beiden Standards ein.

Von Januar bis Mai 2024 führte die EFRAG eine öffentliche Konsultation zum Entwurf des VSME durch, an der sich KMU, Verbände, Banken, Wirtschaftsprüfer und nationale Standardsetzer beteiligten. Auf Basis dieses Feedbacks wurden weitere Vereinfachungen vorgenommen. Am 17. Dezember 2024 übergab die EFRAG die finale Fassung an die Europäische Kommission. Diese sprach am 30. Juli 2025 eine offizielle Empfehlung zur Anwendung des Standards aus. Am 3. Juli 2026 verabschiedete die Kommission schließlich einen delegierten Rechtsakt zum freiwilligen Standard (Voluntary Standard), der sich aktuell in der parlamentarischen Prüfphase (Scrutiny Period) befindet.

Für welche Unternehmen eignet sich der VSME?

Der VSME richtet sich in erster Linie an:

  • Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die nicht börsennotiert sind.
  • Mittelständische Unternehmen, die durch die Omnibus-Reform aus der CSRD-Pflicht herausgefallen sind oder nie darunter fielen.
  • Zulieferer und Geschäftspartner von CSRD-pflichtigen Großunternehmen, die ESG-Anfragen aus der Lieferkette erhalten.
  • Unternehmen, die freiwillig ihre Nachhaltigkeitsleistung strukturieren möchten, etwa zur Vorbereitung auf Bankgespräche oder Ausschreibungen.
  • Kleinstunternehmen (Basismodul) bis hin zu größeren Mittelständlern mit komplexeren Stakeholder-Anforderungen (Comprehensive-Modul).

Weniger relevant ist der VSME für börsennotierte Unternehmen sowie für Unternehmen, die aufgrund ihrer Größe (mehr als 1.000 Beschäftigte und über 450 Millionen Euro Umsatz) ohnehin unter die verpflichtende CSRD-Berichterstattung nach ESRS fallen.

Ist der VSME verpflichtend?

Kurzantwort

Nein. Der VSME ist ein freiwilliger Standard. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, nach VSME zu berichten. Praktische Relevanz entsteht jedoch indirekt: als Value Chain Cap begrenzt der Standard, welche Nachhaltigkeitsdaten CSRD-pflichtige Unternehmen von ihren nicht berichtspflichtigen Geschäftspartnern verlangen dürfen, und Banken sowie Investoren orientieren sich zunehmend an seiner Struktur.

Auch wenn keine gesetzliche Berichtspflicht besteht, entsteht für viele KMU ein faktischer Handlungsdruck: Großkunden, die selbst nach CSRD berichten müssen, benötigen Scope-3-Daten und Lieferketteninformationen von ihren Zulieferern. Banken integrieren ESG-Kriterien zunehmend in ihre Kreditvergabe- und Konditionsentscheidungen. Und Investoren erwarten von Portfoliounternehmen zunehmend vergleichbare, strukturierte Nachhaltigkeitsdaten. „Freiwillig“ bedeutet in diesem Kontext also vor allem: keine staatliche Sanktion bei Nichtberichterstattung – nicht zwangsläufig fehlenden wirtschaftlichen Druck.

Aufbau des VSME-Standards

Der VSME ist modular aufgebaut und besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Modulen. Das Comprehensive-Modul kann nur ergänzend zum vollständig bearbeiteten Basismodul angewendet werden.

Modul Inhalte Zielgruppe Umfang
Basismodul (B1–B11) Allgemeine Angaben zur Berichtsgrundlage (B1) sowie Praktiken und Ziele zur nachhaltigen Transformation (B2); grundlegende Umwelt-, Sozial- und Governance-Kennzahlen, u. a. Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen, Belegschaftsstruktur, Verstöße gegen Verhaltenskodizes (B3–B11). Alle Anwender, insbesondere Kleinstunternehmen mit begrenzten Ressourcen Rund 90–100 Datenpunkte, überwiegend quantitativ
Comprehensive-Modul (C1–C9) Vertiefende, überwiegend qualitative Angaben zu Geschäftsmodell und Strategie, Klimaübergangsplänen, Menschenrechten in der Lieferkette und weiteren strategischen Themen. KMU mit umfangreicheren Anfragen von Banken, Konzernkunden oder Investoren Rund 40–50 zusätzliche Datenpunkte, überwiegend Freitext/Narrativ

Welche Daten verlangt der VSME?

Der VSME deckt die gleichen drei Themenbereiche ab wie die ESRS – nur deutlich schlanker und proportionaler auf die Möglichkeiten von KMU zugeschnitten. Eine vollständige Auflistung aller Datenpunkte würde den Rahmen dieses Artikels sprengen; eine verständliche Zusammenfassung findet sich in der folgenden Tabelle, eine vertiefende Übersicht aller Datenpunkte im weiterführenden Artikel zur VSME-Berichterstellung.

Themenbereich Typische Inhalte
Umwelt Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen (Scope 1 und 2, optional Scope 3), Wasser- und Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung, Biodiversität
Soziales Belegschaftsstruktur, Arbeitsbedingungen, Gleichstellung und Diversität, Aus- und Weiterbildung, Gesundheit und Sicherheit, Menschenrechte in der Lieferkette
Governance Geschäftsmodell und Strategie, Verhaltenskodizes, Korruptionsprävention, Zahlungspraktiken gegenüber Lieferanten
Zusätzliche Angaben (Comprehensive) Klimaübergangspläne, Scope-3-Emissionen, schwerwiegende Menschenrechtsvorfälle in der Lieferkette, Finanzierung im Zusammenhang mit fossilen Brennstoffen

Welche Vorteile bietet der VSME?

  • Vorbereitung auf zukünftige Regulierung: Wer heute nach VSME strukturiert, hat bei einem späteren Wachstum in die CSRD-Pflicht eine deutlich einfachere Ausgangsbasis.
  • Strukturierte Nachhaltigkeitsstrategie: Der Standard zwingt Unternehmen dazu, Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen erstmals systematisch zu erfassen.
  • Bessere Finanzierungsmöglichkeiten: Banken honorieren zunehmend strukturierte, vergleichbare ESG-Daten bei Konditionen und Kreditentscheidungen.
  • Erfüllung von Kundenanforderungen: Ein VSME-Bericht beantwortet einen Großteil der Fragebögen, die CSRD-pflichtige Konzernkunden an ihre Zulieferer senden.
  • Wettbewerbsvorteile: Wer frühzeitig strukturiert berichtet, kann sich in Ausschreibungen und Lieferantenbewertungen positiv von Wettbewerbern abheben.
  • Standardisierte ESG-Kommunikation: Ein einheitliches Format reduziert den Aufwand, individuelle Anfragen mehrfach unterschiedlich zu beantworten.

VSME vs. CSRD

Aspekt VSME CSRD
Zielgruppe Nicht börsennotierte KMU und Mittelstand Unternehmen über 1.000 Beschäftigte und über 450 Mio. € Umsatz (post-Omnibus)
Verpflichtung Freiwillig Gesetzlich verpflichtend
Umfang Zwei schlanke Module (Basis, Comprehensive) Vollständige ESRS mit zahlreichen Standards und Sets
Datenpunkte Rund 90–150, je nach Modul und Zählweise Mehrere hundert Datenpunkte (nach Vereinfachung 2026 reduziert)
Doppelte Wesentlichkeitsanalyse Nicht verpflichtend, aber inhaltlich sinnvoll Verpflichtend
Prüfpflicht (Assurance) Keine externe Prüfung erforderlich Externe Prüfung (Limited Assurance) verpflichtend
Aufwand Gering bis moderat Hoch
Nutzen Zugang zu Finanzierung, standardisierte Antworten auf Lieferketten-Anfragen Gesetzeskonformität, Kapitalmarktfähigkeit, Investorenvertrauen

Kurz zusammengefasst: Die CSRD ist der verpflichtende, umfassende Rahmen für große Unternehmen inklusive externer Prüfung und doppelter Wesentlichkeitsanalyse. Der VSME ist die freiwillige, deutlich schlankere Variante für KMU – ohne Prüfpflicht, aber mit vergleichbarer thematischer Grundstruktur.

VSME vs. ESRS

VSME und ESRS (European Sustainability Reporting Standards) sind kein Gegensatz, sondern eng miteinander verwandt: Der VSME wurde von derselben Institution – der EFRAG – entwickelt und orientiert sich inhaltlich an denselben Nachhaltigkeitsthemen wie die ESRS, allerdings in stark vereinfachter und proportionaler Form für KMU.

  • Gemeinsamkeiten: gleiche grundlegenden Themenfelder (Umwelt, Soziales, Governance), gleiche entwickelnde Institution, kompatible Datenstruktur.
  • Unterschiede: Die ESRS umfassen deutlich mehr Datenpunkte und branchenspezifische Standards, verlangen eine verpflichtende doppelte Wesentlichkeitsanalyse und eine externe Prüfung. Der VSME verzichtet auf beides und reduziert die Angaben auf das für KMU Wesentliche.
  • Praktische Bedeutung: Da die Datenstruktur weitgehend kompatibel ist, können Unternehmen, die zunächst nach VSME berichten, bei späterem Wachstum relativ verlustfrei auf die vollständigen ESRS-Anforderungen „hochstufen“.

VSME vs. DNK: Was ist der Unterschied?

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) ist ein nationales, deutsches Rahmenwerk für Nachhaltigkeitsberichterstattung, das es bereits seit 2011 gibt – deutlich länger als der VSME. Seit September 2025 bietet die DNK-Plattform ein eigenes VSME-Modul in einer Beta-Version an, mit dem Unternehmen kostenlos nach dem EU-weiten VSME-Standard berichten können. Wer bereits nach DNK berichtet hat, kann viele der dort erfassten Informationen für den VSME-Bericht weiterverwenden; eine vom DNK veröffentlichte Gap-Analyse zeigt, an welchen Stellen zusätzliche Angaben nötig sind.

Wie erstellt man einen VSME-Bericht?

Die Erstellung eines VSME-Berichts folgt in der Praxis fünf grundlegenden Schritten:

  1. Daten erfassen: Relevante Rohdaten aus Buchhaltung, HR und Betrieb zusammentragen – etwa Energieverbrauch, Mitarbeiterzahlen oder Lieferantenlisten.
  1. Kennzahlen sammeln: Rohdaten in die vom VSME geforderten Kennzahlen überführen, etwa Treibhausgasemissionen nach Scope 1 und 2.
  1. Bericht strukturieren: Angaben entlang der Module B1–B11 (und optional C1–C9) gliedern, inklusive der narrativen Angaben zu Strategie und Praktiken.
  1. Qualität prüfen: Plausibilität und Vollständigkeit der Angaben intern kontrollieren, im Idealfall im Vier-Augen-Prinzip.
  1. Veröffentlichen: Bericht als eigenständiges Dokument, als Teil des Lageberichts oder über eine Plattform wie den DNK veröffentlichen beziehungsweise an anfragende Stakeholder übermitteln.

Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Vorlagen und Praxisbeispielen finden Sie im vertiefenden Artikel „VSME-Bericht erstellen“.

Braucht man Software für den VSME-Bericht?

Nicht zwingend. Für den ersten Berichtszyklus eines kleinen Unternehmens mit überschaubarer Datenmenge reicht häufig das kostenlose Excel-Template der EFRAG aus. Sobald die Berichterstattung jährlich wiederkehrt, mehrere Standorte oder Fachabteilungen einzubinden sind oder zusätzlich CSRD, CO₂-Bilanzierung oder Lieferkettenpflichten relevant werden, lohnt sich der Umstieg auf eine spezialisierte VSME-Software mit automatisierter Datenerfassung, Rollenkonzept und Audit-Trail. Einen ausführlichen Anbietervergleich mit Kriterien, Preisen und Auswahlhilfe finden Sie im Artikel „VSME-Software im Vergleich“.

Fazit

Der VSME-Standard hat sich vom Entlastungsprojekt zum praktischen Referenzrahmen für die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung im europäischen Mittelstand entwickelt. Er ist freiwillig, deutlich schlanker als die ESRS und dennoch inhaltlich kompatibel mit ihnen – ein pragmatischer Einstieg für Unternehmen, die ESG-Anfragen von Banken, Kunden und Investoren strukturiert beantworten möchten, ohne den vollen Aufwand einer CSRD-Berichterstattung zu betreiben. Da der zugrundeliegende delegierte Rechtsakt sich aktuell noch in der parlamentarischen Prüfphase befindet, können sich einzelne Details noch anpassen. Unternehmen sind gut beraten, frühzeitig mit der systematischen Erfassung ihrer Nachhaltigkeitsdaten zu beginnen – unabhängig davon, in welcher finalen Fassung der Standard in Kraft tritt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet VSME?

VSME steht für „Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs“ – einen freiwilligen Nachhaltigkeitsberichtsstandard für nicht börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen in der EU.

Ist der VSME verpflichtend?

Nein, der VSME ist freiwillig. Praktische Relevanz entsteht indirekt durch den sogenannten Value Chain Cap sowie durch Erwartungen von Banken, Kunden und Investoren.

Wer muss den VSME anwenden?

Niemand ist gesetzlich verpflichtet, den VSME anzuwenden. Er richtet sich an KMU, die freiwillig berichten möchten oder von Geschäftspartnern zur strukturierten ESG-Kommunikation aufgefordert werden.

Was kostet die Umsetzung eines VSME-Berichts?

Die Kosten reichen von null (kostenloses EFRAG-Template oder DNK-Plattform) bis zu mehreren Tausend Euro pro Jahr für spezialisierte Software, abhängig von Unternehmensgröße, Datenkomplexität und gewähltem Anbieter.

Welche Daten werden für den VSME benötigt?

Grundlegende Umwelt-, Sozial- und Governance-Kennzahlen wie Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen, Belegschaftsstruktur und Unternehmenspraktiken im Basismodul; vertiefende strategische Angaben im optionalen Comprehensive-Modul.

Wer entwickelt den VSME?

Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) im Auftrag der Europäischen Kommission, im Rahmen des SME Relief Package von September 2023.

Ist der VSME Teil der CSRD?

Nein. Der VSME steht formal außerhalb der CSRD und wird als eigenständiger delegierter Rechtsakt für die freiwillige Berichterstattung erlassen. Inhaltlich ist er jedoch eng an die ESRS angelehnt, die Grundlage der CSRD-Berichterstattung sind.

Was ist der Unterschied zwischen VSME und ESRS?

Die ESRS sind der verpflichtende, umfangreiche Standard für CSRD-pflichtige Unternehmen inklusive doppelter Wesentlichkeitsanalyse und externer Prüfung. Der VSME ist eine freiwillige, stark vereinfachte Version für KMU ohne Prüfpflicht.

Was ist der Unterschied zwischen DNK und VSME?

Der DNK ist ein seit 2011 bestehendes deutsches Rahmenwerk für Nachhaltigkeitsberichterstattung. Der VSME ist der neuere, EU-weite EFRAG-Standard. Seit September 2025 bietet die DNK-Plattform ein eigenes VSME-Modul an, über das Unternehmen kostenlos nach VSME berichten können.

Gibt es den VSME auf Deutsch?

Es existieren inoffizielle deutsche Übersetzungen, unter anderem von einer deutsch-österreichischen Projektgruppe aus DRSC und AFRAC sowie ein deutschsprachiges VSME Digital Template der EFRAG. Eine offizielle deutsche Sprachfassung wird im Rahmen des finalen delegierten Rechtsakts erwartet.

Gibt es ein offizielles PDF zum VSME?

Ja. Die EFRAG stellt den vollständigen VSME-Standard als PDF auf ihrer Website zum Download bereit (Stand Dezember 2024). Der finale delegierte Rechtsakt der Europäischen Kommission vom 3. Juli 2026 enthält zusätzlich den überarbeiteten Standardtext als Anhang.

Wann sollte man mit der Umsetzung beginnen?

Möglichst frühzeitig, idealerweise 12 bis 18 Monate vor dem ersten Berichtsjahr, um Datenerfassungsprozesse aufzubauen, bevor externer Druck durch Kunden- oder Bankanfragen entsteht.

Ist der VSME für kleine Unternehmen geeignet?

Ja, das Basismodul ist gezielt für Kleinstunternehmen mit begrenzten Ressourcen konzipiert und deckt die wichtigsten, meist quantitativen Angaben ab, ohne aufwendige Wesentlichkeitsanalyse oder Prüfpflicht.

Kann der VSME später in die CSRD überführt werden?

Ja. Die Datenstruktur des VSME ist inhaltlich mit den ESRS kompatibel, sodass Unternehmen ihre VSME-Datenbasis bei späterem Wachstum in die CSRD-Berichterstattung überführen können, statt bei null zu beginnen.

Welche Software unterstützt den VSME?

Am Markt haben sich sowohl reine VSME-Tools (z. B. VSMEasy, Leadity, Planted) als auch modulare ESG-Plattformen mit VSME-Modul (z. B. cubemos, EQS Sustainability Cockpit, Envoria) etabliert. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie im Artikel „VSME-Software im Vergleich“.

Muss ein VSME-Bericht extern geprüft werden?

Nein, eine externe Prüfung (Assurance) ist beim VSME nicht vorgeschrieben. Das unterscheidet ihn deutlich von der CSRD, die eine Limited Assurance durch einen Wirtschaftsprüfer verlangt.

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