Reporting

Der VSME-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs) hat sich innerhalb weniger Monate von einer Randnotiz der EU-Nachhaltigkeitsregulierung zu einem Referenzrahmen entwickelt, an dem im Mittelstand kaum noch jemand vorbeikommt. Banken fragen bei der Kreditvergabe nach strukturierten ESG-Daten, große Kunden geben Nachhaltigkeitsfragebögen an ihre Zulieferer weiter, und Investoren erwarten Vergleichbarkeit über Branchen hinweg. Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis schnell: Eine Excel-Tabelle mag für den ersten Berichtszyklus ausreichen, stößt aber spätestens bei der jährlichen Aktualisierung, der Zusammenarbeit im Team und dem Nachweis von Datenqualität an ihre Grenzen.
Dieser Artikel gibt einen strukturierten Überblick über den VSME-Softwaremarkt: was eine VSME-Software leisten sollte, welche Tools sich am Markt etabliert haben, wann sich die Investition lohnt und worauf Unternehmen bei der Auswahl achten sollten. Der Vergleich richtet sich an Nachhaltigkeitsverantwortliche, Geschäftsführungen und CFOs im Mittelstand, die eine fundierte Entscheidung treffen möchten – unabhängig davon, ob sie freiwillig berichten oder auf Anfragen aus der Lieferkette reagieren.
Definition
Eine VSME-Software ist eine digitale Anwendung, mit der kleine und mittlere Unternehmen Nachhaltigkeitsdaten nach dem VSME-Standard der EFRAG erfassen, auswerten und in einen strukturierten Bericht überführen. Sie deckt typischerweise die Datensammlung, die Berechnung von ESG-Kennzahlen, die Zusammenarbeit im Team und die Nachweisführung gegenüber Banken, Kunden oder Investoren ab.
Im Kern übernimmt eine VSME-Software fünf Aufgaben, die sich manuell nur mit erheblichem Aufwand umsetzen lassen:
Nicht jedes Unternehmen braucht ab dem ersten Berichtsjahr eine spezialisierte Lösung. Ob sich die Investition lohnt, hängt vor allem von drei Faktoren ab: der Zahl der Berichtsadressaten, der Häufigkeit der Berichterstattung und davon, ob neben VSME weitere Rahmenwerke wie CSRD, EU-Taxonomie oder Lieferkettenpflichten relevant sind.
Der Funktionsumfang von VSME-Tools variiert stark – von schlanken Formular-Anwendungen bis zu vollständigen ESG-Suiten. Die folgende Tabelle zeigt, welche Kriterien bei der Bewertung besonders relevant sind.
Der Markt lässt sich grob in drei Gruppen einteilen: reine VSME-Tools mit engem Fokus, modulare ESG-Plattformen, die VSME als eines von mehreren Modulen anbieten, und kostenlose Basislösungen wie das EFRAG-Excel-Template. Die folgende Übersicht ordnet eine Auswahl etablierter Lösungen ein. Angaben zu Preisen basieren auf öffentlich verfügbaren Informationen und können sich ändern; für eine aktuelle Kalkulation empfiehlt sich stets eine Anbieteranfrage.
Hinweis: Diese Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weitere Anbieter mit VSME-Modulen sind unter anderem Greenomy, Workiva, WeShyft, ESG Lift, Sustain Republic, Position Green sowie internationale ESG-Suiten wie Sweep, Normative, Plan A, Watershed, Persefoni, Sphera, IBM Envizi, SAP Sustainability Control Tower und IntegrityNext, die VSME-Funktionen teils als Zusatzmodul zu ihren CSRD- oder Carbon-Accounting-Lösungen anbieten.
cubemos ist eine modular aufgebaute ESG-Software aus München, die speziell auf die Anforderungen europäischer KMU und des Mittelstands zugeschnitten ist. Anders als reine VSME-Einsteigertools verfolgt cubemos den Ansatz einer gemeinsamen Datenbasis: ESG-Daten werden einmal zentral erfasst und lassen sich anschließend für VSME-Berichte, CSRD/ESRS-Reporting, CO₂-Bilanzierung, EU-Taxonomie, EUDR-Nachweise oder Lieferketten-Sorgfaltspflichten (LkSG/CSDDD) wiederverwenden.
Für welche Unternehmen eignet sich cubemos besonders? Die Software richtet sich vor allem an KMU und Mittelständler, die absehbar mehr als nur einen VSME-Bericht benötigen – etwa weil sie in der Lieferkette größerer, CSRD-pflichtiger Unternehmen stehen, mittelfristig selbst unter die CSRD fallen könnten oder mehrere Rahmenwerke parallel bedienen müssen. Für ein Kleinstunternehmen mit einem einzigen, einmaligen VSME-Bericht kann ein schlankeres Einsteigertool oder das kostenlose EFRAG-Template zunächst ausreichen.
Der VSME-Standard befindet sich weiterhin in einem laufenden Rechtsetzungsprozess. Die EFRAG übergab den Standard im Dezember 2024 an die Europäische Kommission, die ihn im Juli 2025 offiziell als Empfehlung für die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht börsennotierter KMU herausgab. Mit der Omnibus-I-Richtlinie (in Kraft seit März 2026) wurden die verpflichtenden CSRD-Schwellenwerte auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und über 450 Millionen Euro Jahresumsatz angehoben – gleichzeitig wuchs die Bedeutung des freiwilligen Standards als sogenannter „Value Chain Cap“: Er begrenzt, welche Nachhaltigkeitsinformationen CSRD-pflichtige Unternehmen von kleineren Zulieferern überhaupt noch verlangen dürfen.
Am 3. Juli 2026 hat die Europäische Kommission die überarbeiteten ESRS sowie den Standard für die freiwillige Berichterstattung – der auf dem ursprünglichen VSME der EFRAG basiert und nun offiziell als „Voluntary Standard (VS)“ bezeichnet wird – als delegierte Rechtsakte verabschiedet. Beide Rechtsakte durchlaufen nun eine sogenannte Scrutiny-Periode, in der Europäisches Parlament und Rat der EU Einwände erheben können; diese Frist beträgt zunächst zwei Monate und kann um weitere zwei Monate verlängert werden. Erhebt keine der beiden Institutionen Einwände, tritt der überarbeitete Rahmen in Kraft, mit verpflichtender Anwendung der ESRS ab dem Geschäftsjahr 2027 und optionaler früherer Anwendung ab dem Geschäftsjahr 2026.
Für Unternehmen, die eine VSME-Software auswählen, bedeutet das: Der Standard bleibt in seinen Grundzügen – Basismodul und Comprehensive-Modul, Fokus auf wesentliche Umwelt- und Sozialthemen – stabil, einzelne Datenpunkte und Formulierungen können sich im Rahmen der finalen Fassung aber noch anpassen. Anbieter, die ihre Software eng an der EFRAG- beziehungsweise EU-Kommissions-Fassung ausrichten und Updates zeitnah einspielen, bieten hier mehr Planungssicherheit als statische Excel-Vorlagen.
Der VSME-Standard entwickelt sich vom freiwilligen Angebot zum faktischen Mindeststandard für ESG-Kommunikation im Mittelstand. Für Unternehmen mit einem einmaligen, überschaubaren Berichtsbedarf bleibt das kostenlose EFRAG-Template ein guter Einstieg. Sobald Berichterstattung wiederkehrend wird, mehrere Standorte oder Fachabteilungen einzubinden sind oder neben VSME weitere Rahmenwerke wie CSRD, CO₂-Bilanzierung oder Lieferkettenpflichten relevant werden, zahlt sich eine spezialisierte Software aus. Reine VSME-Tools wie VSMEasy, Leadity oder Planted eignen sich für einen schnellen, fokussierten Einstieg. Modulare ESG-Plattformen wie cubemos oder EQS Sustainability Cockpit sind die wirtschaftlichere Wahl, sobald mehrere Berichtspflichten auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammenlaufen sollen.
Es gibt nicht die eine beste VSME-Software – die passende Wahl hängt vom Anwendungsfall ab. Für einen fokussierten, günstigen VSME-Bericht eignen sich Tools wie VSMEasy, Leadity oder Planted. Für Unternehmen, die zusätzlich CSRD, CO₂-Bilanzierung oder Lieferkettenpflichten abdecken müssen, sind modulare Plattformen wie cubemos oder EQS Sustainability Cockpit meist die wirtschaftlichere und zukunftssicherere Lösung.
Die Preisspanne reicht von kostenlos (EFRAG-Excel-Template, DNK-Plattform) über Einsteigerpläne ab etwa 99 bis 200 Euro pro Monat bis zu individuell kalkulierten Enterprise-Lösungen für Unternehmen mit mehreren Frameworks. Viele Anbieter machen Preise erst auf Anfrage transparent.
Ja. Die EFRAG stellt ein kostenloses Excel-Template mit allen Datenpunkten des Basis- und Comprehensive-Moduls zur Verfügung, inklusive XBRL-Export. Auch die deutsche DNK-Plattform bietet ein VSME-Modul. Für den ersten Berichtszyklus eines kleinen Unternehmens kann das ausreichen.
Für ein Kleinstunternehmen mit wenigen Datenpunkten und einem einzelnen Berichtsadressaten oft ja. Sobald der Bericht jährlich aktualisiert werden muss, mehrere Personen mitarbeiten oder mehrere Standorte konsolidiert werden müssen, stößt Excel an Grenzen – vor allem bei Datenkonsistenz und Nachvollziehbarkeit.
Mehrere Anbieter decken beide Rahmenwerke auf einer Datenbasis ab, darunter cubemos, EQS Sustainability Cockpit, Envoria und MULTIPLYE. Das ist besonders relevant für Unternehmen, die mittelfristig CSRD-pflichtig werden könnten oder bereits jetzt Daten für beide Standards benötigen.
Vor allem Unternehmen, die regelmäßig berichten, mehrere Standorte oder Tochtergesellschaften konsolidieren, von Banken oder Konzernkunden nach strukturierten ESG-Daten gefragt werden oder absehbar weitere Rahmenwerke wie CSRD oder EUDR abdecken müssen.
Viele VSME-Tools bieten eine integrierte CO₂-Bilanzierung nach dem GHG-Protokoll an, meist für Scope 1 und 2, teils auch für Scope 3.
Schlanke Einsteigertools lassen sich oft innerhalb weniger Tage einrichten. Modulare ESG-Plattformen mit Schnittstellen zu Buchhaltung oder HR-Systemen benötigen je nach Komplexität mehrere Wochen für Onboarding und Dateneinbindung.
Nein, der Standard ist freiwillig. Er gewinnt praktische Relevanz jedoch dadurch, dass er als sogenannter Value Chain Cap festlegt, welche Nachhaltigkeitsdaten CSRD-pflichtige Unternehmen von ihren kleineren Zulieferern maximal verlangen dürfen, sowie durch die zunehmende Orientierung von Banken und Investoren am Standard.
Das Basismodul umfasst allgemeine Angaben sowie grundlegende Umwelt-, Sozial- und Governance-Kennzahlen. Das Comprehensive-Modul ergänzt weitere qualitative Angaben, etwa zu Klimastrategie, Menschenrechten und Geschäftsmodell. Das Comprehensive-Modul setzt die vollständige Anwendung des Basismoduls voraus.
Eine dedizierte Open-Source-Software für VSME ist am Markt aktuell nicht etabliert. Die kostenlose Alternative ist das offizielle EFRAG-Excel-Template, das allerdings keine Automatisierung oder Zusammenarbeit im Team bietet.
Für kleinere KMU mit einem klaren VSME-Fokus eignen sich schlanke, günstige Tools wie VSMEasy oder Leadity. Für KMU im Mittelstand, die auf Wachstum, mehrere Standorte oder zusätzliche Rahmenwerke ausgerichtet sind, bieten modulare Plattformen wie cubemos mehr langfristige Substanz.
Das Basismodul deckt die wichtigsten, meist quantitativen Angaben ab, die von den meisten Geschäftspartnern und Banken angefragt werden. Das Comprehensive-Modul ergänzt vertiefende, überwiegend qualitative Angaben zu Strategie, Prozessen und Zukunftsinitiativen und setzt die vollständige Anwendung des Basismoduls voraus.
Mit der Omnibus-I-Richtlinie (in Kraft seit März 2026) wurden die verpflichtenden CSRD-Schwellenwerte angehoben. Parallel hat die EU-Kommission am 3. Juli 2026 einen delegierten Rechtsakt zum freiwilligen Standard (vormals VSME, nun „Voluntary Standard“) verabschiedet, der sich derzeit in der parlamentarischen Prüfphase befindet. Der Standard bleibt in seiner Grundstruktur eng am ursprünglichen EFRAG-Vorschlag orientiert.


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